Nordenham - Die Rückfahrt ist ein Wettlauf mit der Schlechtwetterfront. Von Norden rücken dunkle Wolken heran. Die Kräne des Container-Terminals in Bremerhaven sind im Platzregen nur noch schemenhaft zu erkennen. Vormann Andreas Brensing hat das Kommando auf der Brücke. Er will verhindern, dass seine Gäste nass werden und drückt aufs Tempo. Seine Gäste sind acht Kinder, die regelmäßig an der der Vorlesungsreihe Kiwi (Kinder wissen mehr) teilnehmen und bei der Verlosung dieses exklusiven Törn das Glück des tüchtigen Kiwi-Studenten hatten. Ihre Belohnung: ein absolut exklusiver Törn auf dem Seenotrettungskreuzer Hermann-Rudolf Meyer.
Einmaliges Erlebnis
Am Union Pier sammelt die Crew ihre Passagiere ein. Auch Gero Klemke ist an Bord. Der Museumspädagoge im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven hatte im vergangenen Jahr einen Kiwi-Vortrag über die Sicherheitsvorkehrungen bei der Seefahrt gehalten. Ihm haben die Kinder dieses einmalige Erlebnis zu verdanken. Bevor er im Schifffahrtsmuseum anheuerte, ist Gero Klemke 35 Jahre zur See gefahren, zuletzt auf dem Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).
Rumtoben tabu
Und so pflügt die Hermann-Rudolf Meyer durch die Weser. Die Jungen und Mädchen bekommen zuerst Rettungswesten umgeschnallt. Vormann Andreas Brensing erklärt ihnen freundlich aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit, dass das Rumtoben an Deck tabu ist. Aber nach Rumtoben ist den Kinder auch nicht zumute. Schließlich sind der einstündige Törn und die Erklärungen der Crew so spannend, dass die jungen Passagiere mit großem Interesse bei der Sache sind.
Besonders spannend ist für die Kinder die Spritztour mit dem Tochterboot Christian. „Das war spitze“, strahlt Rune Ifsen. „Beide Daumen hoch“, sagen die anderen. Das Tochterboot kommt vor allem im flachen Wasser zum Einsatz. Es ist in Null Komma nix einsatzbereit, wenn es gebraucht wird, weil es ohne großen Aufwand von einer Rampe aus zu Wasser gelassen wird.
Andreas Brensing erklärte den Kindern die Instrumente auf der Brücke, während am westlichen Horizont die Nordenhamer Industriekulisse vorbeizieht. Die jungen Kiwi-Studenten erfahren, dass der Kreuzer rund um die Uhr mit einer vierköpfigen Mannschaft besetzt ist. Jedes Crew-Mitglied hat eine eigene kleine Kabine. Eine Schicht dauert zwei Wochen. In dieser Zeit arbeiten, kochen und schlafen die Männer an Bord. Und sie sind Tag und Nacht in Bereitschaft, um Menschen zu retten, die auf dem Wasser in Not geraten. Rund 90 Einsätze im Jahr haben die Männer. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich im Norden bis nach Helgoland, im Osten bis zur Elbe und im Westen bis zur Jade. „Aber die Grenzen sind fließend“, sagt Andreas Brensing.
Die Kinder sind fasziniert von dem Törn. Sie bekommen auch in Sachen Wetter alles geboten: Regen, strahlenden Sonnenschein. Zum Abschluss der Fahrt spannt sich ein mächtiger Regenbogen über die Weser.
