Thüle - Ich stehe mitten im Tapir-Gehege, ganz gemütlich kommt Susi auf mich zu und schaut mich neugierig an. Vorsichtig reiche ich ihr eine Nektarine, die Tapir-Dame schnüffelt mit ihrer langen Nase an dem Obst – doch Zack! Schnell hat sich einer der frechen Nasenbären das saftige Stück gegriffen. Da war ich im Füttern noch etwas ungeschickt.
Besonderes Gefühl
Statt am Schreibtisch zu sitzen, darf ich einen Vormittag lang im Tierpark Thüle als Tierpflegerin assistieren. Dienstbeginn ist 7.30 Uhr. Eigentlich für mich eine Zeit, in der ich mich gerne noch mal im Bett umdrehe. Nach einer kurzen Besprechung geht es auch schon los. Ich begleite Tierpflegerin Martina Kruse, sie ist für den Südamerika- und Afrikabereich zuständig. „Nicht nur Kuscheln, auch anpacken!“, sagt noch Jörg Bruno Grabbert, der Zoologische Bereichsleiter mit einem Augenzwinkern.
Mit Schaufeln, Besen, etwas Futter und einer Schubkarre geht es zu den Flamingos. Ein ungewöhnliches Gefühl ist es ja schon, so mitten im Gehege zu stehen. Und ich lerne gleich etwas dazu: Flamingos nehmen ihre schöne rosa Farbe nämlich über das Futter auf. In der freien Wildbahn zum Beispiel über Kleinkrebse oder Algen. Im Zoo stehen diese eher selten zur Verfügung. Daher wird hier ein Farbstoff ins Futter gemischt.
Wilde Rasselbande
Nach dem Füttern geht es weiter zu Karl-Heinz, dem Flusspferd. „Guten Mooorgen“, grüßt Martina Kruse, als sie die Stalltür öffnet. Karl-Heinz liegt aber noch müde im Stroh und möchte noch etwas weiter schlafen. Vom Aufwecken auch nicht begeistert sind die Nasenbären. Nach anfänglichem Zögern zieht es die Rasselbande doch raus auf die Wiese, wo sie gleich auf dem Baum anfangen zu toben. Nacheinander öffnet Martina Kruse die Stalltüren, es treten noch die Tapire, genauer gesagt Flachlandtapire, Anton, Susi und Mary sowie zwei Wasserschweine vor die Tür – sie alle teilen sich ein Gehege. Vor den Tapiren habe ich anfangs etwas Respekt. So ein Tier hatte ich bislang höchstens aus weiter Entfernung gesehen.
Zwölf Tierarten betreut Martina Kruse in ihrem Bereich, morgens öffnet sie, wenn nötig, die Türen der Ställe, gibt Frühstück oder legt schon mal das Abendessen bereit. In ihrem Bereich gibt es viele Huftiere und die, das merke ich, machen viel Mist. Gemeinsam entmisten wir Ställe und Außenflächen, füllen Wasser nach oder geben Heu. Etwa drei Jahre dauert die duale Ausbildung zum Tierpfleger. Nachfragen gibt es genug, weiß Kruse. Das Arbeiten mit Tieren sei beliebt. Doch der Job kann auch ziemlich anstrengend sein.
Dann endlich: Das langersehnte Kuscheln: Tapire und Nasenbären bekommen ein paar Snacks. Susi, Anton und Mary kommen gemächlich näher und lassen sich streicheln. Die Angst habe ich abgelegt. Tapire sind wunderbar friedliche Wesen. Richtig frech sind die Nasenbären, mit ihren Krallen hangeln sie sich an mir hoch und klettern bis zur Schulter. Die tanzen mir ganz schön auf der Nase herum. Noch bevor Susi die Nektarine erwischt, schnappt sie sich ein Nasenbär.
Und wie habe ich mich nun als Tierpflegerin angestellt? „Super“, sagt Martina Kruse und lacht. „Kannst gleich bei uns anfangen.“
