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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Netten Schnack gibt es hier obendrauf

29.07.2015

Großenmeer Für viele Deutsche war er seit der Nachkriegszeit jahrzehntelang ein „Lebensmittel“-Punkt: der Tante-Emma-Laden. Persönliche Beratung, eine heimelige Einkaufsatmosphäre auf überschaubarer Ladenfläche und ein gemütlicher Schnack zwischen Kunden und Inhaber. Man kannte und schätzte sich, und der Laden lag nur wenige Minuten vom eigenen Zuhause entfernt.

Im Zuge des gesetzlichen Verbotes der Preisbindung ab 1974 und dem Siegeszug der Discounter gingen die Tante-Emma-Läden jedoch zunehmend ein. Laut einer Studie des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels hat sich die Zahl der Lebensmitteleinzelhändler in den vergangenen vier Jahrzehnten von 160 000 Geschäften (um 1970) auf unter 39000 Verkaufstellen im Jahr 2012 reduziert. Von 2000 bis 2007 stieg dagegen die Zahl der Discounter-Filialen von 12970 auf 14806, die der Verbrauchermärkte von 2363 auf 3150. Die „Ladendichte“ verringerte sich in Deutschland bis 2012 auf einen Laden pro 2075 Bundesbürger.

Gegen das Aussterben der Lebensmittelläden gerade im ländlichen Raum formiert sich jedoch zunehmend eine Gegenbewegung von engagierten Bürgern, Kommunalpolitikern und Bürgermeistern. Unter dem Motto „Eigeninitiative statt Unterversorgung“ sind in ganz Deutschland mehr als 200 Bürger-Dorfläden gegründet worden, die teils in einem Dorfladen-Netzwerk zusammengeschlossen sind.

Rückkehr in Großenmeer

Auch in Großenmeer (Wesermarsch) gibt es seit November 2013 wieder einen Lebensmittelladen. Der langjährige Edeka-Markt war zum 1. Januar 2011 geschlossen worden. Im September 2013 entschloss sich dann Knut Kunst, seine Verkaufsräume an der Meerkircher Straße 12 für einen Dorfladen zur Verfügung zu stellen.

„Der Laden ist nah dran an meinem Zuhause, das Personal ist sehr freundlich und ich kriege hier alles, was ich brauche“, sagt der 85-jährige Kunde Heinz Thümler zufrieden. Er muss es wissen. Seit 40 Jahren wohnt er bereits in Großenmeer: „Man kann hier im Laden auch mal einen netten Schnack halten.“

Seit August vergangenen Jahres führt die 26-jährige Melanie Feldhus als Nachfolgerin von Knut Kunst den „Dorfladen Großenmeer“ – mit sechs Angestellten und einer Schüleraushilfe (verteilt Flyer). Sie habe ein großes Herz für ihre Kunden, darunter viele ältere Menschen, sagt die Inhaberin. Viele der Kunden – rund 200 bis 300 täglich – kennt sie mit Vornamen. Das persönliche Verhältnis sei ganz entscheidend. „Wir lachen viel gemeinsam, und man nimmt sich auch schon mal in den Arm“, erzählt Feldhus.

Auch Sonderwünsche wie nach körnigem Frischkäse, Sojamilch oder Bauchspeck werden erfüllt – und sei es durch eine Extrafahrt zum Großhändler. Doch eine Produktpalette wie im großen Supermarkt könne man einfach nicht anbieten, sagt die 26-Jährige. Ältere Kunden, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, bekommen die Waren auf Initiative des Ladens auch nach Hause geliefert.

Neben den Lebensmitteln und Drogerieartikeln bietet der Dorfladen auf der 385 Quadratmeter großen Verkaufsfläche auch Backwaren an. Montags, mittwochs und freitags werden mittags unter anderem frisch zubereitete Frikadellen/Schnitzel sowie Kartoffel- und Nudelsalat zum Mitnehmen verkauft. Auch Veranstaltungen der Feuerwehr, des Bürger- und Heimatvereins oder der Grundschule etc. versorgt der Dorfladen.

Neue Konzepte

Auf die Verbindung von heimeliger Atmosphäre und Online-Geschäft setzen die Unternehmer von „Emmas Enkel“. Sie betreiben seit 2011 nostalgisch angehauchte Lebensmittelläden in Düsseldorf und (nun auch) Essen in überschaubarer Größe gepaart mit einem hochmodernen Multifunktionskonzept (digitale Einkaufswand) mit Lieferservice und Online-Handel.

Der Online-Shop sei der verlängerte Arm des Ladenlokals, sagen die Gründer Sebastian Diehl und Benjamin Brüser. Doch über den Laden werde Vertrauen aufgebaut, das die Online-Plattform in dem Maß nie schaffen könnte. Die Nachfrage innerstädtisch als auch auf dem Land habe sie absolut positiv überrascht.

In vielen Ballungszentren wiederum entstehen immer mehr sogenannte „to-go“-Läden als Nahversorger. Von der Größe angesiedelt zwischen kleinem Supermarkt und sehr großem Kiosk bieten die Läden etwa in den Innenstädten von Köln, Düsseldorf und Aachen als Ableger von Rewe oder der Handelskette Ahold frische Lebensmittel, Kaffee oder auch Tiefgefrorenes für den Schnelleinkauf an.

Viele Deutsche wollen den Ladenbesuch trotz der Online-Euphorie nicht missen. Laut einer aktuellen Studie der Nielsen-Marktforschung gaben in einer Online-Umfrage unter 30 000 Konsumenten in 60 Ländern nur 17 Prozent der Deutschen an, dass sie täglich benötigte Waren online kaufen, berichtete die „Welt“. 47 Prozent empfänden den Gang in den Supermarkt/Discounter als „angenehme“ oder „sehr angenehme Beschäftigung“, die mit der Familie gerne auch mal ein paar Stunden dauern dürfe.

Sebastian Friedhoff
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2904

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