Ganderkesee - „Auf Platt laufen Geschäfte fast von selbst“, titelte die NWZ  am 30. Mai 2012. Mit Aufstellern und Aufklebern erklären einige Geschäftsinhaber in der Gemeinde seitdem: „Mit use Kunnen snackt wi Platt“. Das Betreuen in der Regionalsprache trüge dazu bei, dass sich die Kunden in den Geschäften gut aufgehoben fühlen, so die Begründung der Oldenburgischen Landschaft, die die Aktion „Plattdeutsch im Geschäftsleben“ initiierte. Interessierte Geschäftsleute konnten sich an den Plattdeutsch-Beauftragten der Gemeinde, Dirk Wieting, wenden.

Gemeldet hätten sich seitdem allerdings kaum welche, berichtet Wieting. „Es ist vielmehr so, dass wir die Geschäfte gezielt ansprechen.“ Das Problem sei, dass viele es gerne anbieten würden, es aber nicht durchhalten könnten, da die Angestellten nicht über ausreichend Plattdeutsch-Kenntnisse verfügten. „Es sind fünf oder sechs Geschäfte, die seitdem mitgemacht haben“, so Dirk Wieting.

Den allerersten Aufkleber brachte seinerzeit Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas an der Tür des Rathauses an. „Wenn ein Bürger ins Rathaus kommt, der Platt sprechen möchte, dann findet er auch einen Ansprechpartner“, sagt Gerken-Klaas heute. Genutzt werde diese Möglichkeit allerdings eher selten: „Vor allem wenn es um fachliche Fragen geht, wird meist Hochdeutsch gesprochen“, sagt Rathaus-Sprecher Hauke Gruhn. Eine Auflistung aller teilnehmenden Geschäfte auf der Internetseite der Gemeinde, wie es vor einem Jahr angekündigt wurde, ist bis heute noch nicht erfolgt.

Zu den ersten Geschäften, die sich damals an der Aktion beteiligten, gehörte Rose Optik in Bookholzberg. „Es reagieren eigentlich recht wenige Kunden auf den Aufkleber an der Tür“, sagt Inhaberin Sarah Hochheiden. „Wir sprechen leider auch nicht alle ausreichend Platt, verstehen können wir aber fast alles.“ Den Kunden, die Plattdeutsch sprechen, würde dann meist auf Hochdeutsch geantwortet. „Das ist überhaupt kein Problem“, so Hochheiden.

Anders sieht es im Schuhhaus Denker in Ganderkesee aus. „Bei uns kommt das sehr gut an“, sagt Inhaber Wilm Denker. „Das war aber immer schon so, das hat nicht unbedingt mit der Aktion zu tun.“ Plattdeutsch gehöre bei ihnen einfach dazu. „Wir haben viele ältere Kunden, da ist es ganz normal, dass viel Plattdeutsch gesprochen wird“, so Denker.“


Auch im Textilhaus Tönnies in Ganderkesee läuft die Kommunikation häufig auf Platt. „Durch den Aufkleber sprechen uns auch Kunden auf Plattdeutsch an, die es sonst vermutlich nicht tun würden“, berichtet Inhaber Heinz Georg Tönnies. „Wir sprechen mit unserem Sortiment ja das normale Landvolk an. Bei vielen läuft das Plattdeutsch hier ganz automatisch“, so Tonnies.