Hatten/Bhutan - Frisches Obst aus dem Supermarkt oder tiefgefrorenes Gemüse aus der Truhe: Für den Großteil der Menschen in der westlichen Welt gehört das wie selbstverständlich zum Alltag. Ganz anders ist die Lage in dem kleinen Dorf Chendebji im Königreich Bhutan mit seinen 35 Haushalten. „Die Menschen haben im Winter keine Möglichkeit, sich ausreichend mit Vitaminen zu versorgen“, sagt Khenpo P. Yeshi.
Der gebürtige Bhutaner ist 1. Vorsitzender des Fördervereins für das unabhängige Königreich Bhutan, der von Hatten aus seit 2010 den Menschen in dem kleinen Land zwischen Indien und China hilft. Neuestes Projekt: Den Dorfbewohnern eine einfache und effektive Form des Haltbarmachens von Nahrung zu ermöglichen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, das von ihnen selbst geerntete Gemüse und Früchte einzukochen. „Wir werden den Menschen zeigen, wie man zum Beispiel Bohnen monatelang haltbar machen kann“, sagt Heike Heidler, die Schriftführerin des Fördervereins.
Um das Ziel zu erreichen, soll in diesem Jahr eine Gemeinschaftsküche mit zentraler Sanitäreinrichtung errichtet werden. Sieben Kochtöpfe und 3500 Einweckgläser mit Drehverschluss will der Verein aus Deutschland als Luftfracht nach Bhutan schicken. „Wenn uns die Lufthansa dabei helfen würde, das wäre ein Traum“, sagt Vorstandsmitglied Carmen Kaiser. Überzeugt hat der Förderverein bereits die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Nachdem diese ein erstes Projekt in 2013 mit 10 000 Euro unterstützt hat – die NWZ berichtete, schießt sie dieses Mal 14 600 Euro zu. Den geforderten Eigenanteil (2600 Euro) kann der Förderverein u.a. dank der Unterstützung durch Michael Krauss, Geschäftsführer des geotechnischen Instituts Krauss & Partner (Oldenburg), aufbringen.
„Durch unser Projekt wird die Versorgung im Winter erheblich verbessert“, ist sich 2. Vorsitzender Gerold Heidler sicher. Im Schnitt stehen jedem der 250 Einwohner 14 Gläser zur Verfügung. Das ist bei einer mehrmonatigen Winter- und Frühjahrszeit auch erforderlich. Die bisherige Vorratshaltung im Erdgeschoss der Lehmhäuser, wo auch Haustiere gehalten werden, hatte den Nachteil, dass Lebensmittel häufig von Ungeziefer befallen wurde. „Wir hoffen, dass die Technik des Einkochens langfristig auch in andere Dörfer weitergetragen wird“, denkt Gabriela Angel an die Nachhaltigkeit des Projekts.
Der Förderverein arbeitet im Dorf mit der „Menjong Foundation Bhutan“ zusammen, einer Organisation, die sich im Königreich am Himalaya um arme Menschen kümmert. „Es ist richtig, dass der Hatter Verein sich speziell eines Landes angenommen hat und Fachexpertise sammelt, zumal ein Vorstandsmitglied aus Bhutan kommt“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr.
