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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Kriminalgeschichte: Einmal entführt – lebenslang Opfer

12.12.2016

Bielefeld Richard Oetker ist ein Baum von einem Kerl. Der Chef des Oetker-Konzerns in Bielefeld misst fast zwei Meter. Der oberste Manager des Familienkonzerns aus Ostwestfalen ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Dabei gibt es neben der Geschichte des Firmenmanagers noch die des Entführungsopfers.

Am 14. Dezember 1976 wurde Richard Oetker als 25-Jähriger entführt. Er ist davon bis heute gezeichnet. Noch 40 Jahre danach leidet er körperlich unter den schweren Verletzungen, die ihm der Entführer Dieter Zlof bei einem der spektakulärsten Kriminalfälle der Nachkriegsgeschichte zugefügt hatte. Oetker kann nicht lange laufen und stehen.

Neben den schweren, bis heute nachwirkenden Verletzungen hat Oetker immer betont, wie er und die Familie unter der Tat gelitten haben. Auch noch Jahre später. Beim Prozess-Auftakt 1980 erlebte Richard Oetker wieder einen diesen Momente. Zu Beginn sprachen alle Medienvertreter noch mit dem prominenten Entführten. Als Zlof dann in den Saal geführt wurde, wendeten sich alle Journalisten wortlos von ihm ab und wollten nur noch mit dem Täter sprechen. „Das hat ihn damals tief getroffen und erklärt, warum er bis heute gegenüber den Medien ein eher distanziertes Verhältnis hat“, sagt ein Vertreter aus dem Konzern-Umfeld.

Oetker studierte in Bayern Brau- und Agrarwissenschaften. Frisch verheiratet entführt ihn Zlof 1976 auf dem Parkplatz der Uni Weihenstephan, hält ihn 47 Stunden in einer engen Holzkiste gefangen und gibt ihn frei, nachdem die Familie 21 Millionen D-Mark, 10,7 Millionen Euro, gezahlt hat. Zlof, der 1980 zu 15 Jahren Haft verurteilt wird, hat Oetker mit einer perfiden Technik in Schach halten wollen. Gekrümmt in der Kiste ist das Opfer mit Handschellen gefesselt an einen Stromkreislauf angeschlossen. Sein Peiniger droht: Bei Krach gibt es einen Stromstoß.

Das passiert auch, allerdings wegen einer Panne. Der Automechaniker Zlof macht beim Öffnen der Versteckgarage versehentlich Krach. Der ausgelöste Stromschlag ist zehnmal stärker als geplant und bricht Oetker zwei Brustwirbel und beide Oberschenkelhalsknochen. Er schwebt wegen einer Lungenquetschung in Lebensgefahr. Den Rest seines Lebens ist er gehbehindert.

Der Geldbote ist Richards Bruder August. Der Entführer entreißt ihm den Koffer und entkommt. Wenig später wird das schwer verletzte Opfer in einem Wald in einem alten Auto gefunden.

Die Polizei fasst Zlof zwei Jahre später, weil er registrierte Scheine bei seiner Hausbank einzahlt. Vor Gericht streitet er die Tat ab. Nach der Haft will er seine Beute heben, die er in Plastiksäcken vergraben hat. Ein großer Teil ist jedoch verrottet. Als er 21 Jahre nach der Entführung in London versucht, Tausend-Mark-Scheine umzutauschen, wird Zlof erneut verhaftet: zwei Jahre Haft wegen Geldwäsche.

„Unser Alptraum war, dass der Entführer das Geld nach seiner Haft genießen könnte“, sagt Richard Oetker vor zehn Jahren. Darum setzt er alle Hebel in Bewegung, um Zlof aufzuspüren. Es sei eine bemerkenswerte Zusammenarbeit mit der Polizei gewesen, sagt er damals. „Ich habe daraus gelernt, nicht verbissen, aber kontinuierlich ein Ziel zu verfolgen.“

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