Garrel - 60 Männer über 60 Jahre wollten es wissen: Sie folgten der Einladung der Initiative Mann ü 60 zu einer Besichtigung der Teichwirtschaft an den Ahlhorner Fischteichen. 485 Hektar umfasst das Gelände, das bewirtschaftet wird. 129 Hektar davon sind Wasserfläche. Überwiegend Karpfen und Forellen werden in 35 Teichen gezüchtet.
Gästeführer Jakob Rauschenberger gab Hinweise zur Entstehung der Teiche und zu aktuellen ökologischen Problemen. Der Großherzog von Oldenburg wollte einen Mangel in der Versorgung der Bevölkerung mit Vitamin D beheben. Darum plante er eine größere Anlage mit Fischteichen. Die Wahl fiel auf Ahlhorn, weil hier staatliche Flächen zur Verfügung standen und weil das Gelände auf einer Strecke von fünf Kilometern um 15 Meter abfällt. Dadurch kann ein ständiger Wasseraustausch gewährleistet werden. Der wird bis heute durch 15 Kilometer lange Zuleitungskanäle gewährleistet.
Was heute kaum vorstellbar ist, war früher Realität: Alle Teiche und Kanäle wurden per Hand mit der Schaufel ausgehoben. Dafür beschäftigte man Tagelöhner. Später kamen Gefangene aus dem Gefängnis Vechta und Kriegsgefangene hinzu. 1905 wurden die ersten Fische ausgesetzt.
Hatte die Lethe früher zu wenig Nahrungsstoffe, sind es heute zu viele. In den Gründerjahren wurden die Teiche noch mit Mist versorgt, um die Nahrung für die Fische sicher zu stellen. Deshalb entstand die erste größere Schweinemastanlage im hiesigen Raum. Da immer mehr Grundwasser entnommen wird, führt die Lethe immer weniger Wasser. Alle Fischteiche können nicht mehr bewirtschaftet werden. Verschont blieb die Teichwirtschaft derzeit von Kormoranen, die andernorts ganze Teiche leer fressen.
Auch deshalb können jetzt pro Jahr 30 Tonnen Karpfen und sechs Tonnen Forellen gefischt werden. Die Fische sind für den Verzehr durch Menschen bestimmt, Vereine und Fischteichbesitzer sind weitere Abnehmer. Die Teichwirtschaft ist wirtschaftlich selbstständig und trägt sich.
Die Erklärungen des Gästeführers erfolgten in Verbindung mit einem Spaziergang durch die Anlage. Zum Abschluss gab es eine erst am Morgen frisch geräucherte Forelle. Werner Wessel, der den Besuch der Gruppe „Mann ü 60“ organisiert hatte, bedankte sich bei Jakob Rauschenberger. „Wir können jetzt im Gebiet der Fischteiche mit Kenntnissen der Geschichte, Ökologie und Ökonomie spazieren gehen“, sagte er. Dadurch werde der Respekt vor der Natur und vor der Leistung der Menschen bei der Anlage der Teiche noch größer.
