EINSWARDEN - Wenn Otto Fegter daran zurückdenkt, wie er die Gänge per Lenkradschaltung einlegte, wenn er sich an das erhabene Gefühl erinnert, wie ihm seine Kumpels neidvolle Blicke hinterherschickten, dann kommt er auch heute noch ein wenig ins Schwärmen. Anfang der Sechziger mit einer Borgward Isabella unterwegs zu sein, das war für einen jungen Burschen schon etwas Besonderes. „Da konnte man mit protzen. Das war ein tolles Auto.“
Heute ist Otto Fegter 63 Jahre alt. Vor fast drei Jahrzehnten baute er sich seine Existenz als selbstständiger Fahrlehrer auf. Und in all den Jahren ist er von Berufs wegen so um die 60 verschiedene Autos gefahren. „Ich habe fast alle Marken durch“, sagt er. Aber seine Isabella ist ihm natürlich ganz besonders in Erinnerung geblieben.
Für 30 Mark hatte Otto Fegter einem Bauern die Limousine abgekauft. Der wollte ihn unbedingt loswerden. „Für das Geld kriegt man heute keine Tankfüllung mehr“, denkt der Fahrlehrer an das Schnäppchen zurück. Gleichwohl war der Kaufpreis für den in Roffhausen bei Wilhelmshaven aufgewachsenen Autofan ein kleines Vermögen. Als Autoschlosser-Lehrling verdiente er gerade einmal 25 Mark im Monat.
Die graue Limousine ließ Otto Fegter die Liebe zum Autofahren entdecken. Und darüber hinaus nutzte der angehende Kfz-Mechaniker viele Gelegenheiten, um das Innenleben der formschönen Isabella zu studieren. Hin und wieder machte die Batterie schlapp, erinnert er sich. „Ansonsten hatte ich kaum Probleme mit dem Wagen. Und wenn doch: Ich habe ihn immer zum Laufen gekriegt.“
Der Klassiker aus der legendären Bremer Autoschmiede leistete Otto Fegter ein Jahr lang treue Dienste. Dann wurde er gegen eine „Drahtrolle“ eingetauscht. So nennt der Fahrlehrer seinen ersten Käfer, der ihn zuverlässig von Roffhausen nach Varel zur Kaserne kutschieren sollte und dies auch tat. Käfer Nummer zwei, ein 1300er, hatte eine grüne Karosserie, Stahlschiebedach und Kunstledersitze. „Im Winter konnte es drinnen ganz schön kalt werden“, erinnert sich Otto Fegter. Die Heizung war nicht besonders zuverlässig. Inzwischen hatte Otto Fegter geheiratet. Drei Kinder gehörten zur Familie. Heutzutage würden sie vermutlich stöhnen, wenn sie gemeinsam auf der Rückbank Platz nehmen müssten. Damals war das kein Problem.
Bei der Bundeswehr machte Otto Fegter seine Ausbildung zum Fahrlehrer. „Das ging damals ratzfatz“, erinnert sich der 63-Jährige. Und einen Job zu finden, war auch nicht schwer. Das Fahrschul-Geschäft boomte. Für acht Mark die Stunde fing Otto Fegter als Aushilfsfahrlehrer an. 1978 machte er sich selbstständig. „Ich weiß nicht, wie viele Millionen Kilometer ich seitdem im Auto gesessen habe“, sagt Otto Fegter. Aber das Steuer einer Isabella hat er seitdem nicht mehr in den Händen gehalten.
Inzwischen sitzt der 63-Jährige am liebsten am Lenkrad seines Wohnmobils. Vor zwei Jahren hatte er sich diesen Traum erfüllt. Und wieder gibt es den einen oder anderen, der seinem Gefährt neidische Blicke hinterherschickt. Aber darauf kommt es Otto Fegter längst nicht mehr an. Er freut sich darauf, gemeinsam mit seiner Frau Touren durch ganz Europa zu unternehmen. Und die Unabhängigkeit, die das Ehepaar dabei genießen kann, hätte ihm selbst die gute alte Isabella nicht bieten können.
