EINSWARDEN - In der Regel hält sich bei Jugendlichen die Begeisterung in Grenzen, wenn ihnen die Schule zusätzlichen Unterrichtet verordnet. Aber bei den Neuntklässlern der Luisenhofschule war es ganz anders. Alle fünf neunten Klassen haben in den vergangenen Wochen insgesamt jeweils 16 Stunden an den regulären Unterricht rangehängt. Und am Schluss waren sich alle einig, dass sie dabei viel gelernt haben – nicht für die Schule, sondern für sich selbst.
Die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern, das war das Ziel des Projekts, das die drei Hauptschul- und die beiden Realschulklassen durchlaufen haben. Dabei ging es unter anderem darum, die Teamfähigkeit zu entwickeln, das Selbstbewusstsein der Schüler zu stärken sowie die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Ein Schwerpunkt war das Einüben konkreter Bewerbungssituationen. Was erwartet mich in einem Vorstellungsgespräch? Auf welche Fragen muss ich vorbereitet sein? Was stelle ich heraus, was lasse ich lieber weg? Fragen über Fragen stellen sich den Schülern, die sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Wovon viele nur eine diffuse Ahnung hatten, wurde für die meisten Teilnehmer im Laufe der Zeit immer klarer. Ron Schulz zum Beispiel zieht für sich das Fazit: „Das war gut und lehrreich. Ich habe einen Teil der Angst vor dem Bewerbungsgespräch verloren.“
Geschult wurden die Jugendlichen von den Kommunikationstrainern Judith Wilhelm, Volker Schmidt und Myriam Kentrup. Das Projekt hatte Anika Mackenrodt vom Bildungsnetzwerk Wesermarsch koordiniert. Das Training haben die Schüler der Firma Xstrata zu verdanken. Geschäftsführer Dr. Rainer Menge hatte im Radio davon gehört, dass es jungen Menschen schwer fällt, sich in einer Bewerbung gut und authentisch darzustellen. „Auch wir sind nur begrenzt zufrieden mir dem Auftreten, aber auch mit den Fertigkeiten der Bewerber“, sagte Menge, der sich am Mittwoch selbst ein Bild vom Ablauf des Projekts machte. So entstand die Idee, die Schüler bei der Vorbereitung auf Bewerbungssituationen und auf das Berufsleben zu unterstützen. Xstrata ließ sich diese Unterstützung rund 11 700 Euro kosten.
Wilfried Batschat, der Leiter der Hauptschule, vergleicht das Angebot, das er im April dieses Jahres von Xstrata bekam, mit einem Lottogewinn. „Dieses Engagement ist wirklich phänomenal“, sagte Batschat auch angesichts der Tatsache, dass die Hauptschulen nicht den allerbesten Ruf genießen. Den Schülern stellten Batschat und der Realschulleiter Wolfgang Battenberg ein dickes Lob aus, weil sie bei dem Projekt intensiv mitgearbeitet haben. Auch Judith Wilhelm ist begeistert von der Mitarbeit der Neuntklässler. Ihr sei aufgefallen, dass es keine Leistungsunterschiede bei den Haupt- und Realschülern gab, sagte sie.
Den Schülern riet Menge, sich in einem Bewerbungsgespräch nicht zu verstellen. „Tretet so auf, wie ihr seid. Dann kommt ihr am besten rüber.“ Von dem Engagement verspricht sich der Geschäftsführer auch Nachwuchs für den eigenen Betrieb. Beim Berufstraining will es Xstrata nicht belassen, kündigte Menge an. Geplant ist – in Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen – ein zusätzlicher Chemie-Unterricht von zwölf Stunden. Dafür haben sich bereits 45 von mehr als 100 Schülern angemeldet. Außerdem sollen die Schüler bei einer Werksbesichtigung die Möglichkeit bekommen, die Hütte kennen zu lernen.
