Jever - Etwa 10 bis 12 Millionen Zugvögel ziehen regelmäßig zweimal im Jahr auf ihrer Reise von den Brutgebieten am Nordmeer zu ihren Winterquartieren in Westafrika durch den Nationalpark Wattenmeer. Was für uns Menschen ein grandioses Schauspiel der Natur ist, das wir zum Beispiel während der Zugvogeltage beobachten können, ist für die Vögel eine Leistung, die auch im Tierreich ihresgleichen sucht.
Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Wattenmeer, berichtete am Mittwochabend in einem Vortrag bei der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) Jever über den Vogelzug.
Das gesamte Wattenmeer an der Nordseeküste ist für die Vögel die einzige „Tankstelle“ auf ihrer langen Reise – und der Treibstoff ist Fett. So fliegen die Pfuhlschnepfe und der Kiebitzregenpfeifer die gesamte Strecke von der Tundra Nordsibiriens ins Wattenmeer nonstop, ohne unterwegs Nahrung aufzunehmen. Erst hier landen sie und müssen ihre Reserven auffüllen, das heißt, sie müssen so viel Nahrung aufnehmen, dass sie ihr Gewicht verdoppeln. Schaffen sie das nicht, weil sie zu oft gestört werden, ist ihr Leben in Gefahr.
„Für diese wichtige Funktion ist das Wattenmeer auch zum Weltnaturerbe ernannt worden“, so Südbeck. Und das bedeute nicht nur, dass wir die Verpflichtung haben, diese einmalige Landschaft zu erhalten und zu pflegen. Dazu gehört auch, gemeinsam mit anderen Organisationen entlang der Reiseroute der Vögel die Bedingungen möglichst zu verbessern.
Sind Klimawandel und Öl- und Gasförderung in den Brutgebieten in Nordsibirien große Probleme, sind es in Westafrika die wachsende Übervölkerung, der damit verbundene steigende Landbau und die Überfischung der Meere, der Verlust von Feuchtgebieten und Armut und der Müll in den Schutzgebieten.
Eindrucksvoll berichtete Südbeck von einer Reise durch Gambia und Mauretanien, bei der es darum ging, die gemeinsame Verantwortung für den gesamten Weg der Zugvögel durch ein Netzwerk von Naturschutzorganisationen zu stärken – aber auch gerade den armen Ländern Westafrikas Unterstützung und Hilfe bei der Erhaltung der Naturräume zu organisieren. Denn die Zugstrecke sei wie eine Kette, die ihre Aufgabe nur dann erfüllen könne, wenn alle Glieder stark seien.
