Nordenham - Für Menschen, die an Morbus Bechterew leiden, ist Bewegung das oberste Gebot. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich der Landesverband der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew entschieden hat, dass Thema Bewegung in den Mittelpunkt zu stellen, wenn der Bundesverband sein 33-jähriges Bestehen feiert. In ganz Deutschland sind Aktionen der Landesverbände und einzelner Selbsthilfegruppen geplant. Auch die Ortsgruppe Nordenham zeigt Flagge zum „krummen Jubiläum“. Am Freitag, 31. Mai, wollen sich der Gruppensprecher Hans-Dieter Wiegers und sein Stellvertreter Uwe Schicke aufs Fahrrad setzen. Bürgermeister Hans Francksen will die beiden um 11 Uhr vor dem Rathaus verabschieden und ihnen alles Gute wünschen für eine Fahrradtour der besonderen Art.
Bis nach Dresden
Der Termin am Rathaus ist freilich eher ein symbolischer Akt, denn die eigentliche Radtour beginnt erst am darauffolgenden Montag. In den frühen Morgenstunden wollen sich Hans-Dieter Wiegers und Uwe Schicke mit dem Auto auf den Weg nach Cuxhaven machen. Dort startet eine Radtour, die entlang der Elbe bis nach Dresden führt. Die Teilnehmer wollen demonstrieren, dass sie trotz ihrer Erkrankung ziemlich mobil sind. Sie wollen über die Erkrankung aufklären. Die beiden Nordenhamer, die auch im Vorstand des Landesverbandes tätig sind, wollen die erste Etappe der Tour mitfahren.
Natürlich geht es Hans-Dieter Wiegers auch darum, die im Landesverband organisierten Selbsthilfegruppen bekannt zu machen. Denn nur eine Minderheit der Morbus-Bechterew-Erkrankten ist organisiert. Nach seinen Worten leidet ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland an der Krankheit. Rein rechnerisch müsste es in Nordenham 270 Erkrankte gegeben. Der Nordenhamer Ortsgruppe gehören 30 Mitglieder ein. Es gibt also noch viel Luft nach oben.
Hans-Dieter Wiegers und Uwe Schicke gehörten vor 23 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Nordenhamer Gruppe, und sie sind dort noch immer die treibenden Kräfte. Die Mitglieder sind zwischen 25 und 70 Jahre alt. Sie bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich auszutauschen. Im Mittelpunkt stehen Sportangebote. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. „Alle sprechen sich mit Du an. Wir sehen uns als große Familie“, sagt Hans-Dieter Wiegers.
Mit 22 Jahren ging’s los
Die Krankheit tritt meistens im frühen Erwachsenenalter auf. Der Gruppensprecher erzählt, dass er im Alter von 22 Jahren zum ersten Mal diese „fürchterlichen Rückenschmerzen“ hatte. Anschließend erlebte er eine Odyssee: verschiedene Untersuchungen, Behandlung in Fachkliniken, eine Linderung der Beschwerden trat aber nicht ein. „Es hat sieben Jahre gedauert bis zur Diagnose“, erinnert sich der 59-Jährige. Nach seinen Worten vergehen noch heute im Durchschnitt sieben Jahre vom Auftreten der Beschwerden bis zur Diagnose. Ein Grund ist aus seiner Sicht, dass Rückenschmerz eine Volkskrankheit ist. „Jeder Dritte leidet darunter.“ Ein Problem ist nach den Worten des Gruppensprechers, dass Rheumatologen spärlich gesät sind. In der Wesermarsch gebe es keinen einzigen.
Hans-Dieter Wiegers und Uwe Schicke haben längst gelernt, mit ihrer Krankheit zu leben. Uwe Schicke sagt: „Natürlich gibt es Einschränkungen, zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder beim Autofahren.“ Aber in Sachen Lebensqualität müssen die Erkrankten nicht allzu viele Abstriche hinnehmen – wenn sie sich regelmäßig bewegen. „Wer die Krankheit annimmt, hat einen großen Schritt gemacht“, sagt Hans-Dieter Wiegers. Und er fügt hinzu: „Wer seinen Hund liebt, der muss auch seine Flöhe lieben.“
