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Volkswagen „Elektrische Aufbruchstimmung“

Christiane Raatz

Dresden - Nach Monaten des Stillstands kommt Bewegung in die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden: Die Fließbänder aus Holz, auf denen einst der Luxuswagen Phaeton durch die Hallen schwebte, werden umgerüstet und runderneuert.

Nach Monaten des Bangens und Hoffens steht fest: Von April 2017 an werden in der Fabrik in Glas-Optik wieder Autos gefertigt, dann rollt hier der neue E-Golf vom Band. VW-Sachsen-Chef Siegfried Fiebig (einst Werkleiter in Emden) spricht von „elektrischer Aufbruchstimmung“, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) von einem „neuen Zeitalter der Industriegeschichte“.

35 Autos pro Tag

Mit der Entscheidung des Konzerns wird Dresden – neben Wolfsburg – zum zweiten Produktionsstandort für den neuen E-Golf. 35 Autos pro Tag sollen zunächst montiert werden. Wie sich die Stückzahl weiter entwickelt, hängt von der Nachfrage ab. Ausgelegt ist die Manufaktur für bis zu 100 Fahrzeuge am Tag. Zum Vergleich: Der VW-Konzern hat im vergangenen Jahr mehr als 10 Millionen Autos gebaut – rein rechnerisch also mehr als 27 000 am Tag.

Gefahren wird die Manufaktur zunächst im Ein-Schicht-Betrieb. Damit kehrt ein Teil der Beschäftigten, die nach dem Phaeton-Aus auf andere VW-Standorte verteilt wurden, nach Dresden zurück. Genaue Zahlen nannte Volkswagen nicht. Zuletzt waren noch rund 100 der ehemals 500 Mitarbeiter in der Manufaktur beschäftigt. „Wir erwarten, dass noch weitere Schritte folgen“, so der Dresdner Betriebsratsvorsitzende Thomas Aehling.

Mehr als 20 Millionen Euro investiert Europas größter Autobauer in eine flexible Montage am Standort Dresden und in den Umbau der Manufaktur. Die flexiblen Produktionslinien machen es möglich, erst einen Phaeton zu bauen und danach einen Golf, erklärt Fiebig. Die lackierte Karosse wird angeliefert und in mehr als 300 Arbeitsschritten zusammengesetzt – unter den Augen der Besucher. Volkswagen will zudem gemeinsame Projekte mit Dresdner Forschungseinrichtungen zum Thema E-Mobilität anstoßen und im nächsten Jahr ein eigenes Forscherteam aufbauen.


Fabrik wandelt sich

Die einstige Luxus-Vorzeigefabrik von VW wandelt sich zu einem Zentrum für Elektromobilität – und ist damit zugleich ein Symbol für die Neuausrichtung der Marke. VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch spricht in Dresden von einem „Neuanfang mit starker Signalwirkung“. Volkswagen will sich nach dem Abgas-Skandal neu aufstellen und unter anderem die Elektromobilität massiv ausbauen. Bis 2025 soll die Elek-troflotte des Konzerns auf 30 Modelle anwachsen.

Noch hält sich die Nachfrage aber in Grenzen, Reichweite und Preis schrecken viele Autofans ab. So stößt etwa die von großen Hoffnungen begleitete Elektroauto-Kaufprämie bisher auf verhaltenes Interesse. Seit Anfang Juli können Kunden rückwirkend für Fahrzeuge, die vom 18. Mai an gekauft wurden, beim zuständigen Amt Bafa die Förderung beantragen. Für reine „Stromer“ gibt es 4000 Euro und für Hybridwagen 3000 Euro. Bis Ende Oktober gingen gerade einmal 5782 Anträge ein. Den Angaben zufolge rangieren E-Fahrzeuge von VW mit 575 Anträgen auf dem 4. Platz – hinter BMW, Renault, Audi.

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