ELISABETHFEHN - Eigentlich ist Elisabethfehn ein unscheinbarer Ort, würde er sich nicht über viele Kilometer am Kanal entlang ziehen und über eine interessante Geschichte verfügen. Elisabethfehn liegt in der Gemeinde Barßel im Landkreis Cloppenburg. Mitten im Moor. Einst siedelten hier die Menschen, um den wertvollen Torf abzubauen und als Brennstoff in die deutschen Ballungszentren zu verkaufen. Der Elisabethfehnkanal erschloss den Ort, sorgte dafür, dass der Torf auf dem Wasserwege abtransportiert werden konnte.
Heute dient der Kanal nur noch den Touristen, den Sportbootfahrern, die den Elisabethfehnkanal als willkommene Verbindung zwischen dem südlich gelegenen Küstenkanal und der nördlich verlaufenden Sagter-Ems nutzen. Von dort sind es nur wenige Kilometer über Leda und Jümme bis in die Ems und weiter in die Nordsee.
Das Moor- und Fehnmuseum, direkt am Kanal gelegen, erinnert an die wechselvolle und anstrengende Kultivierung der Moore, zeigt vom Handspaten bis zum industriell eingesetzten Torfbagger alle Geräte, die einst beim Abbau von Torf genutzt wurden. Am Elisabethfehnkanal stand auch eine Koksfabrik. Dort wurde bis in die 1970-er Jahre Torf für den industriellen Einsatz verkokst.
Eine Großveranstaltung lockt in jedem Jahr Tausende in den Ort: Stets am Feiertag Christi Himmelfahrt findet am Kanal ein ungewöhnlicher Flohmarkt statt. Seine Länge von gut zehn Kilometern am Ufer des Elisabethfehnkanals lässt die privaten Veranstalter vom längsten Flohmarkt Europas sprechen.
Seit 1951 Teil von Barßel
Im Ostermoor entstand zwischen dem Saterland und Barßel am Hunte-Ems-Kanal ab 1862 auf der tertia marcalis und auf Flächen der ehemaligen Johanniterkommende Bokelesch die Fehnsiedlung Hunte-Ems-Canal. Die Siedlung war seit dem 4. August 1880 nach Elisabeth Pauline Alexandrine von Sachsen-Altenburg (1826-1896), der Frau des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter, Elisabethfehn benannt worden.
Nach einem alten Flurnamen heißt der Teil, der aus der Harkebrügger Mark hervorgegangen ist und an Friesoythe grenzt, Reekenfeld (Brandreeken, Reekenmoor). In den Ortschaftsverzeichnissen taucht Reekenfeld als Kolonie mit 37 Wohnhäusern und 225 Einwohnern erst 1925 als Teil der Bauerschaft Ost Elisabethfehn und Reekenfeld in der Gemeinde Barßel auf und wird seit 1933 als eigene Bauerschaft geführt.
Das sich bildende Straßendorf Elisabethfehn wurde während der ersten Jahrzehnte entsprechend der Markenzugehörigkeit den Gemeinden Ramsloh, Strücklingen (Südwestseite des Kanals) und Barßel (Nordostseite) zugeordnet. Erst 1951 wurde ganz Elisabethfehn Ortsteil der Gemeinde Barßel.
Anfangs wurden die Kolonate (300 Fuß breit und unterschiedlich lang) zu einem in drei Raten zu zahlenden Preis verkauft. Nach drei Freijahren waren eine jährliche Geldzahlung (Kanon) und ein Torfgeld zu entrichten. Seit 1898 erwarb der Kolonist wie überall im Herzogtum Oldenburg das Kolonat auf Rentenbasis, erhielt zehn Freijahre und zahlte zusätzlich ein Torfgeld. Der Torf wurde durch Torfschiffer in Ostfriesland und Augustfehn abgesetzt.
Nach der ersten Kolonisationsphase entstanden ab 1875 am Kanal mehrere Torfwerke und Torfstreufabriken. 1905 wurde eine Torfkoksfabrik gegründet, die schließlich bis zu 20 000 Tonnen Torfkoks im Jahr produzierte und 1990 schloss. Auch die anderen torfverarbeitenden Betriebe existieren heute nicht mehr. 1975 schloss die AEG das um 1960 entstandene Werk in Reekenfeld (360 vorwiegend weibliche Arbeitnehmer).
Ab 1869 Volksschulen
Ab 1869 entstanden Volksschulen in Elisabethfehn-Nord (katholisch, aufgehoben 1968), Elisabethfehn-West (evangelisch, umgewandelt 1969 in eine Schule für alle Bekenntnisse), Elisabethfehn-Süd (katholisch), Elisabethfehn-Ost (evangelisch) und Reekenfeld (evangelisch, aufgehoben 1969).
1879 wurde eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde gegründet, 1899/1900 deren Christus-Kirche erbaut. Es folgten 1914 der Bau einer Kapelle der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde (Umbau 1971), 1920/21 (auf Ramsloher Pfarrgebiet) derjenige der katholischen St. Elisabeth-Kapelle (Umbau 1960, 1978 Erhebung zur selbstständigen Pfarre; diese seit November 2006 zu St. Ansgar in Barßel gehörig) und 1950 einer 1974 zur Kirche erweiterten evangelischen Kapelle in Reekenfeld.
Ab 1985 entstand im ehemaligen Kanalwärterhaus das Moor- und Fehnmuseum mit einem 1,5 Hektar großen Freigelände und Moorlehrgarten (botanischer Garten). Bis 1951 war Süd Elisabethfehn ein Ortsteil der Gemeinde Ramsloh. In den Ortschaftsverzeichnissen erscheint es ab 1875 unter der Bauerschaft Hollen als einzelnes Haus Am Hunte-Ems-Kanal.
1933 eigene Bauerschaft
1885 waren es zwei Häuser (12 Einwohner), 1900 10 Häuser (49 Einwohner). 1905, inzwischen Süd-Elisabethfehn genannt, hatte der Ort 131 Einwohner, 1925 schon 357. 1933 und 1939 wurde er als eigene Bauerschaft der Gemeinde Saterland geführt. In den Ortschaftsverzeichnissen von 1955 bis 1970 gab es unter der Gemeinde Ramsloh immer noch eine Bauerschaft (Teil der Kolonie) Süd Elisabethfehn mit 228 Einwohnern (1970).
Bis 1951 war West Elisabethfehn Teil der Bauerschaft Bollingen in der Gemeinde Strücklingen. In den Ortschaftsverzeichnissen erscheint es erstmals 1875 als Kolonie Am Hunte-Ems-Kanal mit vier Wohnhäusern und 20 Einwohnern. 1880 und so zumindest bis 1910 hieß es Elisabethfehn (Strücklinger Anteil), 1925 erstmals West Elisabethfehn Es hatte damals 518 Einwohner. Seit 1933 (bis 1948 in der Gemeinde Saterland) wird West Elisabethfehn als eigene Bauerschaft geführt, desgleichen anschließend wieder bei der Gemeinde Strücklingen.
