ELISABETHFEHN - Johann Hinderks aus Elisabethfehn ist Bienenzüchter. Die kalten Temperaturen verhindern eine zufriedenstellende Honigproduktion, so der Fachmann.
Von Karin Olliges
ELISABETHFEHN - Anfang Mai ist es normalerweise so weit: Die Bienenschwärme fliegen aus ihren Stöcken und sammeln den Nektar aus den Blumenblüten. Zur Heideblüte (Mitte August) ist das Bienenvolk dann groß genug, um ausreichend Honig zu produzieren.Dieses Jahr sieht es allerdings anders aus. „Die beste Temperatur für Bienen sind 20 bis 25 Grad Celsius. Momentan haben wir aber nur eine Durchschnittstemperatur von 15 Grad“, erklärt Johann Hinderks, Bienensachverständiger für die Landkreise Cloppenburg und Leer. Durch die vergangenen kalten und regnerischen Wochen rechnet der Elisabethfehner mit Produktionsausfällen „von mindestens 40 Prozent“. Allerdings besteht noch ein kleiner Funke Hoffnung. „Wenn das Wetter jetzt gut wird, kann es ausreichend Herbsthonig geben“, hofft Hinderks.
Die Mischung macht’s, damit die Honigmenge stimmt: Regnet es zu viel, schließen die Blüten nicht und der Nektar wird aus den Blüten gespült. Ist es aber zu trocken, produzieren die Pflanzen zu wenig Wasser, und Wasser ist ein wichtiger Bestandteil des Nektars.
Bei der Honigproduktion gibt die Flugbiene den gesammelten Honig an die Stockbiene ab, die diesen in eine Wabe transportiert. Während des Reifungsprozesses packen die fleißigen Arbeiterinnen die goldene Flüssigkeit siebenmal in andere Waben. „Dieses Jahr muss der Honig aber acht- bis neunmal von den Bienen umgeschichtet werden, weil er zu feucht ist“, erklärt der Bienenspezialist. Dadurch dauert die Produktion länger. Seine Bienen produzieren Raps-, Blüten- und Blatthonig. Gerade beim Rapshonig gäbe es enorme Einbußen. Da es etwa nur eine Woche Temperaturen um 25 Grad Celsius gegeben hat, würden die Bienen 50 Pfund weniger Rapshonig produzieren.
Bei solchen Wetterverhältnissen sind aber auch die Krankheiten nicht weit. „Die Varroa-Milbe wird sich dieses Jahr rasend schnell verbreiten“, sagt der Bienensachverständige Hinderks. Da die Bienen bei solch niedrigen Temperaturen nicht aus dem Stock kämen, könne sich der Parasit gut entwicklen und auch die Brut befallen. Aber auch die Zucht der Bienenköniginnen leidet unter den schlechten Wetterverhältnissen. In guten Zeiten werden 10 bis 15 Königinnen gezüchtet, dieses Jahr sind es nur ein bis zwei.
