ELISABETHFEHN - Der 19-Jährige hat sich als bester Geselle seines Jahrgangs in Niedersachsen für den „Bundesleistungswettbewerb“ qualifiziert. Er arbeitet bei einer Lackiererei in Edewecht.

Von CHristian Schwarz

ELISABETHFEHN - Er ist ein Künstler vom Kanal. Nein, Marcel Bronn lebt nicht in Vendig, und es ist auch nicht seine Kunst, Leinwände mit Ölfarbe zu bedecken. Der 19-Jährige wohnt am Elisabethfehnkanal und lackiert Autos. Aber von wegen einfach Farbe aufs Metall schmieren – Marcel Bronn schafft kleine Kunstwerke, und das mit Erfolg: Der frisch gebackene Geselle, der in einer Fahrzeuglackiererei in Edewecht arbeitet, hat die beste Gesellenprüfung in Niedersachsen abgelegt und bei der „Deutschen Meisterschaft“ der Fahrzeuglackierer in Wuppertal den vierten von zehn Plätzen belegt.

Offiziell heißt die Veranstaltung allerdings „Bundesleistungswettbewerb“. Der Sieger nimmt an einem europäischen Entscheid teil und steckt 1000 Euro in die Tasche. Als Vierter kann Marcel aber erhobenen Hauptes an den Kanal zurückkehren. Und ganz mit leeren Händen kommt er auch nicht nach Hause. Er darf an einem Fortbildungsseminar teilnehmen, um sich neue Techniken anzueignen.

Mit seinem bisherigen Können hatte sich Marcel in Wuppertal aber auch prächtig verkauft. Es galt, eine Autotür, einen Alu-Koffer und eine Platte zu bearbeiten – das ganze unter dem Motto „Wasser, Lack und Meer“. Von vornherein war also klar, dass es sich um eine ziemlich blaue Angelegenheit drehen würde. Das bestätigte sich dann auch in den Arbeiten, die die zehn Lackierer ablegten. Dabei gingen die jungen Leute äußerst fair miteinander um. „Wir haben uns gegenseitig geholfen und Tipps gegeben“, erinnert sich Marcel. Keine Spur also von verschärftem Konkurrenzdenken.

Der Elisabethfehner, der als Kind bereits seinem Vater, der allerdings kein Lackierer ist, beim Lackieren der Fahrzeuge im Fuhrunternehmen seines Opas half, hatte freie Hand bei der Gestaltung der Flächen. Und so brachte er Strand und Wellen mit ins Spiel beziehungsweise auf die Platte.

Zum Schluss beurteilte eine vierköpfige Jury aus Experten die Arbeiten. Marcels vierter Platz unter zehn Teilnehmern lässt aber nicht nur den 19-Jährigen stolz sein. Seine Kollegen in Edewecht empfinden es als Ehre, dass der junge Geselle es soweit gebracht hat. Immerhin hat er all das, was er in Wuppertal gezeigt hat, in der Firma von Ludger Benkens gelernt. Insofern hat diese einen „Riesenanteil am Erfolg“, wie Marcel sagt. Die Lackier-Pistole in seiner Hand aber hat er selbst bewegt, und zwar besser als jeder andere Lackierer seines Jahrgangs in Niedersachsen. Und auch über die Landesgrenzen Niedersachsens hinaus kennt man ihn jetzt, den Künstler vom Kanal.