ELISABETHGRODEN - Der III. Oldenburgische Deichband und der Landkreis Friesland wollen dem Deichbau bei der Europäischen Union einen rechtlichen Sonderstatus verschaffen. „Der Deichbau schützt Natur und Mensch, deshalb muss er naturschutzrechtlich anders behandelt werden als eine beliebige Baumaßnahme“, erklärte Landrat Sven Ambrosy am Dienstag auf der Baustelle des Elisabethgrodendeichs Matthias Groote (Ostrhauderfehn), SPD-Abgeordneter im Europäischen Parlament.
Groote machte auf seiner Küstentour Station beim III. Oldenburgischen Deichband und ließ sich dessen aktuelle Probleme erläutern.
Laut Ambrosy ist das drängendste Problem im Küstenschutz, dass die Flora-Fauna-Habitat- und die Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union Kleiabbau und Deichbau zugunsten des Umweltschutzes einschränken und dadurch Genehmigungsverfahren langwierig und teuer sind. Zudem gibt es im Binnenland immer weniger Klei.
Friesland hatte in einem bundesweit einmaligen Verfahren zusammen mit Naturschutzverbänden die Kleientnahme für den Deichbau aus dem streng geschützten Nationalpark Wattenmeer möglich gemacht. „Doch bisher müssen wir nachweisen, dass wir im Binnenland keinen Klei mehr gewinnen können, um außendeichs Klei zu entnehmen“, sagte Ambrosy.
Landkreis und Deichband wollen deshalb erreichen, dass die Kleientnahme außendeichs grundsätzlich möglich ist, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Eingriff in den Nationalpark keine negativen Auswirkungen hat. Für die bereits genehmigte Kleientnahme außendeichs zwischen Friederikensiel und Harlesiel konnten Landkreis und Deichband Bereiche vorweisen, die aus naturschutzfachlicher Sicht in keinem guten Zustand sind und durch die Maßnahme sogar aufgewertet werden.
Für Kai Wienke, Geschäftsbereichsleiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Brake, der gemeinsam mit dem Deichband die zwölf Kilometer des Elisabethgrodendeichs erhöht und neu profiliert, wäre eine Vereinfachung der Kleinentnahme außendeichs auch mit Blick auf die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll: Angesichts zunehmender Flächenknappheit wäre sinnvoll, die „Insich-Kompensation“ anzuerkennen: „Wir wissen, dass sich Kleipütten nach knapp 30 Jahren wieder selbst verfüllt haben“, sagte er.
Für Deichband-Vorsteher Früsmer Ortgies ist eines sicher: „Wenn wir für den Deichbau keine Sonderregelungen bekommen, dann kommt der konstruktive Küstenschutz: Statt grüner Deiche haben wir dann Spundwände und Beton.“
Der acht Jahre dauernde Kleitransport von der Entnahmestelle in Hohenkirchen durch Mederns zur Deichbaustelle ist unterdessen schon fast Vergangenheit: Am Dienstagabend feierte die Dorfgemeinschaft Mederns gemeinsam mit Landkreis, NLWKN und Deichband symbolisch den letzten Kleilaster.
Wenn Mitte September dann tatsächlich der letzte Laster durch Mederns gerollt ist, wurden in den vergangenen acht Jahren 1,2 Millionen Kubikmeter Klei per Lastwagen zur Baustelle gefahren, das waren rund 400 Fahrten pro Tag. „Wir freuen uns, dass wir die letzte Fuhre Klei vor uns haben“, sagte Dorfsprecher Harald Evers. Er dankte den Fahrern für ihre rücksichtsvolle Fahrweise.
Um die Belastung möglichst gering zu halten, galt für die LKWs in Mederns Tempo 30, gefahren werden durfte von 7 bis 18 Uhr.
Auch Ambrosy und Bürgermeister Harald Hinrichs sprachen dem Fuhrunternehmen Dank aus, würdigten vor allem aber auch die Geduld der Medernser. Früsmer Ortgies nannte den Kleitransport durch Mederns symbolhaft für die Planung künftigen Deichbaus und Kleitransporte.
