ELMELOH - Es braucht schon ein richtiges Weihnachtsmärchen, damit das Altenpflegeheim in Elmeloh (Kreis Oldenburg), das bis vor wenigen Wochen 130 Bewohner hatte, zumindest noch teilweise gerettet werden kann. Der Insolvenzverwalter der Wichernstift-Altenhilfe gGmbH, Berend Böhme, äußerte sich am Freitagnachmittag skeptisch, dass dieses Wunder in der kommenden Woche Realität wird. Ohne eine überraschende Wende muss Böhme nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den noch verbliebenen 70 Bewohnern kündigen – in einer Jahreszeit, die ungünstiger nicht sein könnte, wie der Verwalter unterstrich.

Zuvor hatte Rechtsanwalt Bernhard Baumann-Czichon, der den Betriebsrat der Altenhilfe gGmbH vertritt, mitgeteilt, dass sich die Arbeitnehmervertretung nach diversen Verhandlungsrunden nicht in der Lage sieht, die Bedingungen zu erfüllen, die die neu gegründete Wichernstift-Altenzentrum gGmbH für die Übernahme des Betriebes gestellt hat. Geplant ist, wie berichtet, eine Facheinrichtung für Demenzkranke.

Personalabbau und Lohnabsenkungen im betriebswirtschaftlich notwendigen Rahmen würde der Betriebsrat mittragen, sagte dessen Vorsitzender Jörg Bauer. Der Verzicht auf das Arbeitsvertragsrecht (AVR) der Evangelischen Kirche und auf eine den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Sozialauswahl bei den Entlassungen gehe aber eindeutig zu weit.

Annette Klausing, Gewerkschaftssekretärin im Verdi-Landesbezirk Niedersachsen/Bremen, vermutet hinter der Insolvenz und der Weigerung der Geschäftsführung, auch die Interessen der Beschäftigten zu berücksichtigen, durchaus System. Der Betrieb sei offenkundig gezielt gegen die Wand gefahren worden, um sich von unliebsamen Betriebsratsmitgliedern trennen zu können.

Die betroffenen Arbeitnehmervertreter hatten angeboten, einer sozialverträglichen Lösung nicht im Wege zu stehen. Der Betriebsrat habe weit über die Schmerzgrenze hinaus Kompromissbereitschaft gezeigt, sagte Baumann-Czichon. An einer Lösung habe der Wichernstift-Vorstand, der gleichzeitig einziger Gesellschafter der insolventen Altenhilfe gGmbH ist, offenbar kein Interesse. In der Öffentlichkeit dürfe nun nicht der Eindruck entstehen, die Arbeitnehmervertretung habe das Ende des Altenpflegeheims zu verantworten. „Einrichtungen werden von Geschäftsführungen geschlossen, nicht von Betriebsräten.“