ELMELOH - „Auch die schönste Therapie ist mal zu Ende“. Dr. Christian König erinnerte sich an den Ausspruch eines seiner ersten Patienten, als er zum Ende seiner Rede kam. Mit einem kräftigen Lachen und lang anhaltendem Applaus ehrten daraufhin Mitarbeiter und Weggefährten den langjährigen leitenden Arzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Wichernstift.
Seine Mitgeschäftsführer Jörg Emken und Helge Treiber bedankten sich vor allem für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ und die „Arbeit auf Augenhöhe“. König habe als reiner Mediziner beim Wichernstift angefangen, so Emken. Und dieses fast die Hälfte der 50 Jahre am Standort mitgeprägt. „Jetzt geht der Lotse von Bord“, gab Treiber dem 65-Jährigen mit auf den Weg in den Ruhestand. Denn: König sei nicht der Kapitän gewesen, der bestimmt, sondern „der Lotse, der in schwierigen Gewässern zusteigt“. In einer Einrichtung, in der die Personalkosten 75 Prozent ausmachten, so meinte Emken, habe der Arzt König zunehmend aber auch betriebswirtschaftlich denken und handeln müssen – „deutliche Gespräche mit Mitarbeitern“ eingeschlossen.
Insofern habe man es mit der Berufung von Dr. Askan von Hardenberg „schlauer angefangen“, meinte Emken mit Blick auf ein betriebswirtschaftliches Studium des Nachfolgers. Der 47-Jährige führt die Klinik seit dem 1. April gemeinsam mit König.
Und von Hardenberg sieht sich selbst „weniger als leitender Arzt denn als Verwalter eines Erbes“. Und dieses wolle er „erhalten und weiterentwickeln“, versprach er seinen Mitarbeitern und Patienten. Deshalb wolle er auch gerne Königs Leitspruch übernehmen: „Erst die Menschlichkeit, dann die Wissenschaft“.
Der 47-Jährige hat in Bonn Medizin studiert, später in Lüneburg noch einen betriebswirtschaftlichen Masterstudiengang absolviert. Über die Erwachsenenpsychiatrie ist er in Trier zur Kinder- und Jugendpsychiatrie gekommen, zuletzt war er fünf Jahre Oberarzt an der Vorwerker Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lübeck.
Von Hardenberg sieht seine Aufgabe in einer Zeit, in der je nach Studie 12 bis 17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen psychologische Hilfe benötigten, darin, diesen schnelle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Vor allem müssten die Jugendlichen aber „ausreichend Zeit erhalten“, sprach er sich ebenso gegen eine Beschleunigung der Therapie aus wie sein Vorgänger. Denn: „Die Jugendlichen müssen vor allem Vertrauen zu sich selbst und zur Gesellschaft gewinnen“.
Der neue leitende Arzt sprach sich deshalb dafür aus, Zusammenarbeit auszubauen. Gemeinsam mit Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen, mit denen es häufig „Kooperationsdefizite“ gebe, müsse man zu „inhaltlich und zeitlich parallelen Hilfsangeboten“ kommen. „Wenn man das wie bisher häufig nacheinander macht, verpufft nicht nur das Geld“, so von Hardenberg. „Vor allem erlebten die Patienten dann auch immer wieder Enttäuschungen.“
