ELMELOH - In wirtschaftlich schweren Zeiten rumort es hinter den Kulissen im Wichernstift immer heftiger. In einem anonymen Schreiben, das im Wichernstift kursiert und das der Redaktion vorliegt, wird Geschäftsführer Jörg Emken Vetternwirtschaft vorgeworfen. „Obwohl etliche Mitarbeiter freiwillig auf Vergütungsanteile verzichten, versorgt der Kaufmann, Vorstand und Geschäftsführer (Herr Emken) seine Familienangehörigen und andere Nutznießer“, heißt es in dem Brief.
Stiefsohn eingestellt
Konkret wird Emken vorgeworfen, seine Frau Ute Richwien-Emken als „einzige (hoch bezahlte) Mitarbeiterin im Verein“ zu beschäftigen. Zudem sei diese mit einem Dienstfahrzeug ausgestattet (was der Geschäftsführer verneint). Darüber hinaus leiste sich Emken seit einiger Zeit einen Assistenten der Geschäftsführung. Diese Stelle sei neu geschaffen und – ohne Ausschreibung – mit dem Sohn von Ute Riechwien-Emken besetzt worden.
Emken hat keinerlei Verständnis für derartige Unterstellungen: „Das hat einzig und allein den Grund, dem Wichernstift zu schaden.“ Er sieht in ihnen sogar „eine Bedrohung des Altenpflegeheims“. Inhaltlich sei alles ganz sauber gelaufen, betonte der Geschäftsführer.
Eine Einschätzung, die der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Klaus Schramm, teilt: „Wir sind vor der Einstellung von Herrn Emken junior gefragt worden und hatten nichts einzuwenden.“ Die Qualifikation habe er durch ein Studium der Betriebswirtschaft für Gesundheitswesen vorgewiesen. Das auf ein Jahr befristete Arbeitsverhältnis endet Ende 2010, eine Verlängerung sei nicht geplant.
Zwar würden auch im Wichernstift zu besetzende Stellen immer wieder mal öffentlich ausgeschrieben. Dies sei aber nicht zwingend und werde auch nicht immer getan, so Emken und Schramm gleichlautend.
Diakonie liegt nichts vor
Das sei in der Diakonie, der auch das Wichernstift angehört, zumindest nicht die Regel, meint hingegen der Pressesprecher des Diakonischen Werks der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Frerk Hinrichs. „Im Allgemeinen wird ein Ausschreibungsverfahren gemacht.“ Allerdings sei ihm nicht bekannt, dass dem Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes irgendetwas gegen das Wichernstift vorliege.
Nach wie vor angespannt sei die wirtschaftliche Situation der Wichernstift Altenpflege gGmbH, so Emken. In der vergangenen Woche seien die Zahlen den rund 100 Mitarbeitern vorgetragen worden. Gründe sieht Emken in der „nicht ausreichenden Bezahlung durch die öffentliche Hand“ sowie den nach wie vor gezahlten Tariflöhnen: „Wir haben die höchsten Gehälter der Region.“ Allein dieses Jahr müsse die Wichernstift Altenpflege gGmbH eine siebenprozentige Anhebung der Tarife verkraften. Gesprächen über Einsparungen versperre sich die Mitarbeitervertretung seit mehr als einem Jahr.
