Elsfleth/Berne - Mal schnell mit dem Fahrrad oder zu Fuß von Elsfleth nach Berne – dafür bot sich für Ortskundige jahrelang die Eisenbahnbrücke über die Hunte an. Der Übergang neben den Gleisen war zwar eng und der Weg vor und hinter der Brücke nicht gerade komfortabel, aber dafür sparte man locker zehn Kilometer „Umweg“ ein. Das ist jetzt vorbei. Die Brücke ist für Radfahrer und Fußgänger gesperrt – und wird es aller Voraussicht nach auch bleiben.
„Dieser Instandhaltungsweg ist weder für den öffentlichen Raum in seinen Abmessungen dimensioniert, noch als solcher freigegeben worden. Daher steht er nur Mitarbeitern der Bahn für ihre Tätigkeiten zur Verfügung“, teilt eine Bahnsprecherin auf NWZ-Anfrage mit.
Mehrere Leser hatten darauf hingewiesen, dass die Brücke – genauer: der von Fußgängern und Radfahrern genutzte Weg – bereits seit Mitte März gesperrt ist.
Zunächst allerdings mit dem Hinweis, dass diese Sperrung nur bis zum 1. April andauern würde, berichtet Matthias Handschuch aus Elsfleth, der als Berufspendler in Richtung Lemwerder diese „Abkürzung“ jahrelang gern genutzt hat. Danach – und so war es in der vergangenen Woche auf einem Hinweisschild an der Elsflether Deichauffahrt noch zu lesen – war auch nur von „vorübergehend“ die Rede.
Die Bahnsprecherin indes lässt keinen Zweifel daran, dass es keine vorübergehende, sondern eine andauernde Sperrung für die Öffentlichkeit bleiben wird: „Leider ereignete sich kürzlich auf diesem Instandhaltungsweg auch ein schwerer Fahrradunfall, als eine unbefugte Person den Weg nutzte. Aus diesem Grund sah sich die Deutsche Bahn gezwungen, die Sperrung des Weges für die Öffentlichkeit kenntlich zu machen.“
Zwar betont die Bahnsprecherin, dass der Weg im Grunde nie ein öffentlicher war – gleichwohl war er bis vor etwa drei Jahren offizieller Bestandteil des Weserradweges. Das dürfte damals wohl kaum ohne Kenntnis beziehungsweise Zustimmung der Deutschen Bahn entschieden worden sein.
Inzwischen aber, bestätigt Tina Tönjes von der Touristikgemeinschaft Wesermarsch, führt die Route des Weserradweges von Elsfleth über Deichstücken, Wehrder, Lichtenberger Siel und Berne-Ohrt (und umgekehrt). Das ist auch so ausgeschildert. Normalerweise können sich also selbst Ortsunkundige nicht mehr verfahren. In Ohrt beispielsweise hängt ein offizielles Hinweisschild der Bahn, dass der Bahnübergang (= die Brücke) gesperrt und damit die Fahrt über den Instandhaltungsweg verboten ist.
Das Hunte-Sperrwerk ist aufgrund der nur stündlichen Überquerungsmöglichkeiten nur sehr bedingt eine Alternative – und derzeit wegen der noch bis Mitte Juli andauernden Sanierungsarbeiten überhaupt keine. Fahrradfahrer müssen also über die neue Auto-Huntebrücke fahren und damit die B 212 zweifach queren. Dabei handelt es sich bei einer Querung um einen Unfallschwerpunkt, wie gerade im Kreistag diskutiert wird.
Heidi Grabhorn, die mit ihrer Familie auf dem Elsflether Sand wohnt, will erfahren haben, dass für 2030 die Fertigstellung einer neuen Brücke geplant sei und diese selbstverständlich auch eine Überquerungsmöglichkeit für Fahrradfahrer und Fußgänger vorsehen würde.
Das ist, selbst wenn sich diese Aussage bewahrheitet, allerdings auch nur ein schwacher Trost. Nun schaltet sich die Kreispolitik ein. Auf Antrag der Grünen wird die Sperrung ein Thema im nächsten Fachausschuss sein. Vielleicht gelingt es ja auf diese Weise, die kürzeste Verbindung für Radfahrer und Fußgänger zwischen Elsfleth und Berne wieder möglich zu machen.
