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Elsflether Stadtwald 7000 Bäume werden ein Wald

Elsfleth - Unten quaken die Frösche, oben dreht der Seeadler seine Kreise. Natur pur zwischen Bundesstraße 212 und Moorriemer Kanal. Nur der dortige Wald kann da nicht ganz mithalten.

Noch nicht – Hybridpappeln dominieren noch das Bild. Doch das ändert die Flächenagentur des Landkreises gerade. Um Eingriffe in Natur und Landschaft an anderer Stelle in der Wesermarsch auszugleichen, hatte die Flächenagentur den Stadtwald gekauft, um diesen aufzuwerten: Aus einer drei Hektar großen Monokultur mit gut 40 Jahre alten Hybridpappeln – diese waren im Herbst 2016 gerodet worden – soll nun im Laufe der Zeit ein Eichen-Hainbuchenwald werden. In ihm soll sich eine artenreiche Pflanzenwelt ansiedeln, die ihrerseits vielen Tierarten Lebensgrundlage bietet.

Große Artenvielfalt

Und um dem Wald ein wenig auf die Sprünge zu helfen, wurde jetzt gepflanzt, was ein Wald ausmacht: Bäume. Rund 7000 haben Arbeiter der Baumschule Lürssen aus Beverstedt in den vergangenen Tagen in den Boden gebracht. Per Hand, jeden einzelnen mit einem Rundspaten. 4000 Schwarzerlen sollen auf den feuchteren Stellen die Hauptbaumart bilden, 1000 Stieleichen auf den trockeneren. Ergänzt werden sie mit 500 Hainbuchen, 750 Winterlinden und ebenso vielen Vogelkirschen.

Und da bei einem naturnahen Wald auch ein Waldrand nicht fehlen darf, wird dieser ebenfalls angelegt: Jeweils zwischen 200 und 450 Stück wurden von Hasel, Pfaffenhütchen, Traubenkirsche, Bruch-, Korb- und Grauweide, Schlehdorn, Eberesche, Wildapfel und -birne, Holunder, Heckenkirsche, Schneeball und Weißdorn in den Boden gebracht – insgesamt noch einmal 4500 Pflanzen.

Der Waldrand werde mit 25 Metern besonders breit ausgebildet, erläutert Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer. Er begleitet die Maßnahme fachlich. Zwei Aspekten könne man so gerecht werden: der Verkehrssicherheit an der Bundesstraße und der Artenvielfalt. Die Vielfalt der Arten soll vor allem der Insekten- und Vogelwelt dienen, unterschiedliche Blühaspekte dürften aber auch die Besucher und Passanten erfreuen. Am Moorriemer Kanal sowie an den benachbarten Waldstücken soll sich ein immerhin zehn Meter breiter Waldrand bilden.


Noch sind die Arten all der Sträucher um Bäume nur für Fachleute zu erkennen. In der Baumschule wurden sie gekühlt gelagert, um nicht schon auszutreiben. Das war im vergangenen Jahr passiert: Der warme März hatte den Planern seinerzeit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und da die Flächen im Herbst weitgehend unter Wasser standen, war ein Pflanzen auch da nicht möglich.

Angelegt ist bereits ein Weg, der den künftigen Wald er- und an das bestehende Wegenetz anschließt. Zudem wurden alte Grüppen nachgearbeitet, in denen sich – je nach Feuchtegrad – ein Erlen-Au- oder Erlen-Bruchwald entwickeln soll.

Naturerlebnispfad

Entnommen werden müssen in den Anfangsjahren immer wieder mal Pappeln, die erneut austreiben. Ansonsten setzt Heiko Fritz vor allem auf die schnell wachsende Erle: „In wenigen Jahren wird man schon den Waldcharakter erkennen können.“

Doch nicht nur am Wald selbst arbeitet die Flächenagentur: Noch in diesem Jahr soll ein Naturerlebnispfad angelegt werden, erklärt Vanessa Breuel, die das Projekt mit Jutta Krämer betreut. Es werde totempfahlähnliche Skulpturen mit Schwingen und Schnäbeln geben, Schautafeln zu Moosen und Totholz sowie zwei künstlerisch gestaltete Fledermäuse aus Altmetall. Und damit der Stadtwald auch als Erholungswald erreichbar ist, soll er durch eine Fußgängerbrücke über den Lienekanal besser an den Siedlungsbereich angebunden werden. Zur Finanzierung der Ausstattung gibt es schon Zusagen, die Brücke soll aus Leader-Mitteln bezahlt werden. Dennoch freut sich Vanessa Breuel ( t  04401/927367 oder vanessa.breuel@lkbra.de) über weitere Sponsoren.

Denn auch in den angrenzenden Waldbereichen soll sich noch einiges tun. Dort wird es zwar keinen Kahlschlag geben, einzelne Bäume werden aber noch entnommen, andere geringelt, um als Totholz Winter- und Nistplätze zu bieten.

Ende 2019 soll die Umwandlung abgeschlossen sein. Ein erstes Monitoring ist für 2025 geplant. Aber auch danach ist Geduld gefragt: Bis aus den kleinen Bäumchen ein richtiger Wald geworden ist, werden Jahre vergehen.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)
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