ELSFLETH - Dieter Göbel hatte das Fernweh gepackt. 1956 wanderte der damals 22-jährige Moorriemer mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Werner nach Schweden aus. Agenten schwedischer Firmen hatten in ganz Deutschland Fachkräfte angeworben – die beiden Göbel-Brüder zogen nach Schweden. Seit 54 Jahren leben sie dort.
In drei Wochen wird es auf der Elsflether Werft ein großes Wiedersehen geben: Nach 60 Jahren treffen sich die früheren Lehrlinge der Werft. Der frühere Schiffbaumeister Walter Dauter organisiert das Treffen und hat sich auf die Suche nach den noch lebenden Ex-Kollegen gemacht. Die waren in alle Winde verstreut.
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-Gespräch erzählte Dieter Göbel am Donnerstag, wie er nach Schweden kam. „Wir waren Flüchtlinge und wohnten in Moorriem. 1949 machte ich eine Ausbildung zum Schiffbauer auf der Elsflether Werft.“ Dann wurde er von einer schwedischen Werft in Göteborg angeschrieben. „Das Geld hat mich gelockt. Es gab doppelt soviel wie in Deutschland“, erzählt Göbel. Doch es folgte die Enttäuschung. „Der Umrechnungskurs von D-Mark in Kronen war schlecht. Außerdem war in Schweden alles teurer.“ Der Vater hatte ihn gedrängt, seinen kleinen Bruder mitzunehmen. „Hier knallt es bald“, hatte er mit Blick auf den Kalten Krieg gesagt. „Die Fahrt nach Göteborg dauerte 24 Stunden im Zug und war eine halbe Weltreise“, sagt der 78-Jährige. Sämtliche Kontakte nach Elsfleth hat er in den folgenden Jahren verloren. „Ich habe alle Brücken abgebrochen“, so Göbel.1958 heiratete er seine Frau Ingrid. Er kannte sie schon aus Deutschland, sie kam später nach. Ingrid kam aus Nordenham. Das Ehepaar bekam vier Kinder. Inzwischen hat es elf Enkelkinder.
„Ich komme auf jeden Fall nach Elsfleth“, sagt der elffache Großvater mit Blick auf das Wiedersehen am 3. Mai. Sein Bruder kommt auch mit. Er kann es kaum erwarten. Um zehn Uhr kommt am 2. Mai die Fähre in Kiel an. Von da aus geht es mit dem Auto nach Elsfleth. „Wir brauchen auf jeden Fall Namensschilder“, sagt Dieter Göbel und lacht.
„Eigentlich“, fügt er hinzu, „ist es reiner Zufall, dass ich noch in Schweden lebe. Ich wollte nur für ein Jahr bleiben. Einmal außer Landes arbeiten, etwas von der Welt sehen.“ Doch es kam alles anders. Fast 60 Jahre lebt er nun schon in Schweden. Jetzt freut er sich darauf, seine Arbeitskollegen endlich wiederzusehen. Und wieder einmal nach Elsfleth zu kommen.
