ELSFLETH - An einem kalten und grauen Aprilmorgen braucht es schon eine Menge Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie es im Garten der Familie Wessels im Juni ausschauen wird. Dann beginnt für alle Rosenliebhaber, und dazu zählt sich Susanne Wessels, der schönste Monat des Jahres, dann stehen Kletter- und Ramblerrosen, Strauchrosen, historische Rosen und viele andere Sorten in ihrem Garten in einer solchen Blüte, dass manchmal die Radler und Spaziergänger stehen bleiben, um sich diese Pracht anzuschauen.
Auch wenn der April sich noch wenig frühlingshaft anlässt, ist Susanne Wessels froh, dass die kalten Wintermonate endlich vorbei sind und der – noch – kahle Garten sein Recht fordert. Bäume und Sträucher haben Anfang April den Schnitt schon hinter sich, jetzt sind die Rosen dran. Susanne Wessels: „Als Faustregel gilt: Rosen schneiden, wenn die Forsythien blühen.“
150 dornige Schönheiten
Strauch- und Edelrosen schneidet die gelernte Gärtnerin um etwa zwei Drittel zurück, immer ein Zentimeter über einem nach außen zeigenden Auge. Historische Rosen werden erst nach der Blüte geschnitten und Kletter- und Ramblerrosen vertragen gut einen Formschnitt im Frühjahr. „Die kann man, wenn sie sehr ausladend sind, ruhig mit der Heckenschere bearbeiten“, sagt die Fachfrau.
Wie viele Sorten inzwischen den Garten zieren, kann Wessels so genau gar nicht mehr sagen: „Ich hab’ bei 150 aufgehört zu zählen.“ Unter den über 150 dornigen Schönheiten befindet sich auch ihre Lieblingsrose, die weiße Alba-Rose, die früher in jedem Bauerngarten zu finden war. Gartenfreunden, die sich mit der Haltung von Rosen noch nicht gut auskennen, empfiehlt Susanne Wessels, mit robusten und wenig krankheitsanfälligen historischen Rosen zu beginnen.
Jetzt, wo fast alle Rosen beschnitten sind, beginnt die Düngezeit. „Aber es muss Regen in Aussicht stehen, bevor mit handelsüblichem Rosendünger oder besser noch Pferdemist das Wachstum auf Trab gebracht wird“, betont Susanne Wessels, „auch Kompost aus dem eigenen Garten ist als Dünger gut geeignet.“
Ihre vielen Stauden hat die Gartenfreundin nach dem Frost beschnitten. Im Winter dienten die Samenstände vielen Vögeln als Nahrung. Auch Susanne Wessels Lieblingsstaude, der Rittersporn, der sich bei vielen Hobbygärtnern in wundersamer Weise auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, gedeiht in ihrem Garten schon prächtig. Wie kommt das? „Die Blätter des Rittersporn sind die Lieblingsspeise der Nacktschnecken. Die beginnen bereits zu knabbern, wenn die kleinsten Blättchen aus der Erde schauen, das übersteht kein Rittersporn. Das kann frühzeitig im Jahr mit Schneckenkorn verhindert werden“, verrät die Gartenfachfrau.
Nach der Blüte schneidet Susanne Wessels den Rittersporn handhoch zurück, düngt ihn – und er dankt es mit einer zweiten Blüte.
Erde auflockern
Jetzt ist auch Zeit, Kübelpflanzen umzutopfen und zu düngen. Einen Platz im Freien bekommen sie, wenn die Gefahr von Nachtfrösten vorbei ist. Die ausgeblühten Schneeglöckchenballen teilt Susanne Wessels in diesen Tagen und versetzt sie einzeln auf dem Rasen. Beete werden von Wessels vor dem Frost im Herbst umgegraben, im Frühjahr reicht es, die Erde mit einem Grubber etwas aufzulockern.
Es sei eine Freude, im Frühling den Garten zu bearbeiten, gesteht die Rosenfreundin. Aber an diesem kalten Apriltag muss es nun doch nicht sein – es kommen bestimmt noch schönere Tage.
