ELSFLETH - Im Sommer ist er neun Monate in Deutschland, den Winter über in Italien: Seit 34 Jahren wechselt Luciano de Marchi jedes halbe Jahr seinen Wohnort. Das hat mit seinem Beruf zu tun. Dem 53-Jährigen und seiner Frau Maria Rosa gehört ein Eiscafé in Elsfleth.
Leidenschaft für Fußball
In welchem Land er sich wohler fühlt, mag de Marchi nicht bewerten. „Kalt ist es auch in Italien. Wenn ich dort bin vermisse ich Elsfleth und umgekehrt.“ Einen großen Unterschied gibt es dann aber doch: „In Italien kann ich im Winter länger schlafen.“ Das ist für den 53-Jährigen nicht ganz unwichtig. „Wenn ich vor neun Uhr aufstehen muss, ist der ganze Tag durcheinander. Nachts arbeiten ist dagegen gar kein Problem.“
Das Dorf Tiezzo, in dem er und seine Frau im Winter wohnen, hat 2000 Einwohner und liegt in der Nähe von Venedig.
Grund für den Umzug von Luciano de Marchi nach Deutschland war eine Naturkatastrophe. 1976 bebte in seiner Heimat die Erde, 1000 Menschen kamen ums Leben. „Ich brauchte Arbeit“, sagt de Marchi – und die fand er zunächst in einer Eisfabrik in Osnabrück. Kurz darauf lernte er bei einer Silvesterfeier im Nachbarort in Italien Maria Rosa kennen.
Sie arbeitete damals bei ihrem Bruder in Oldenburg, gemeinsam eröffnete man kurz darauf das Eiscafé in Elsfleth. „Nach Deutschland gekommen, waren wir unabhängig voneinander am gleichen Tag“, erzählt die 52-Jährige. „Am 1. Juni 1976. Da kannten wir uns noch nicht.“
Geheiratet haben die beiden 1986. Und sind seitdem unzertrennlich: Im Geschäft in Elsfleth sind sie jeden Tag zusammen. „Naja, wir streiten uns schon. Und auch laut. Aber alle wissen, dass es nur Spaß ist“, lacht Maria Rosa. „In Italien sind die Menschen eben temperamentvoller als hier.“
Das zeigt sich bei Luciano de Marchi vor allem beim Thema Fußball. Er ist leidenschaftliche Fan von Inter Mailand. In der deutschen Bundesliga ist er für Bremen. Spielen Deutschland und Italien gegeneinander, feuert er die Squadra Azzurra an. „Beim Fußball braucht man einen Gegner. Sonst macht es keinen Spaß.“
Dass die Deutschen etwas ruhiger sind, erkenne man schon an der Tagesschau, meint der 53-Jährige. „Sehr steif. In Italien ist im Fernsehen mehr Bewegung. Da wird mit den Händen geredet.“
Am liebsten Espresso
In Elsfleth fühlt sich Luciano de Marchi trotzdem seit langem zu Hause. „Es ist so schön klein hier. Jeder kennt jeden. Das gefällt mir sehr“, erklärt er. Bei vielen Kunden weiß er deshalb schon vorher, was sie wollen. „Meist die Klassiker. Vanille, Schokolade, Banane und Nuss,“ verrät er. Er bevorzugt die letztere Sorte – wenn er überhaupt mal ein Eis isst. „Das mache ich nicht jeden Tag. Nur mal zum Probieren.“ Überhaupt würde in Nordeuropa viel mehr Eis verzehrt als im Süden. „Ganz oben stehen die Russen und Dänen“, weiß Luciano de Marchi.
Eine typisch deutsche Liebhaberei sei der Latte Macchiato. „Den trinkt in Italien niemand. Da trinkt man Espresso.“ Das tut natürlich auch der 53-Jährige, besonders gern zum Frühstück. Aber bitte erst nach neun Uhr.
