ELSFLETH - Was für ein traumhafter Morgen. Sonnenschein pur, blauer Himmel, Frühlingsgesang der Vögel und glitzerndes Wasser.
Wo könnte es an diesem zweiten Apriltag schöner sein, als im Elsflether Yachthafen. Dieser Meinung ist auch SWE-Skipper Karl-Heinz Möhring. Seine Teepause gönnt er sich auf der Bank vor den Hallen – der Skipper möchte seinen Platz an der Sonne am liebsten gar nicht mehr verlassen, um an die Arbeit gehen.
Boot braucht viel Pflege
Hilft aber alles nichts, Möhrings Stahlboot, die 8,50 Meter lange „Töw mi“, töwt auf dem Winterplatz auf die letzten Verschönerungsarbeiten, bevor es in den nächsten Wochen wieder ins nasse Element geht. Nach der besonders langen und kalten Wintersaison juckt es allen Skippern in den Fingern. Noch stehen die SWE-Boote Reling an Reling, am Sonnabend ist der erste Sliptermin und zum Osterfest wollen schon viele SWE-Mitglieder zum ersten Törn antreten.
Karl-Heinz Möhrings „Töw mi“ ist ein echtes Unikat mit viel Eigenbau, ein Schiff das gehätschelt und gepflegt werden möchte. Diese Zuwendung lässt der Elsflether seinem Boot seit nunmehr 34 Jahren zukommen. In den Wintermonaten wird renoviert, gebastelt und gestrichen. Möhring: „Solch ein Stahlboot ist ein bisschen arbeitsintensiver als eine Kunststoffyacht.“
1975 kaufte Möhring den Rumpf des ehemaligen Rettungsbootes der „Tannenfels“ (Hansa-Reederei), viele Stunden waren nötig, um das Boot zu einer seegängigen Yacht umzugestalten.
„Fast alle Arbeiten habe ich damals selber gemacht“ erinnert sich der Skipper, „vom Dieselmotoreinbau bis hin zu den Aufbauten und der Innenausstattung.“ Nach der Fertigstellung war Platz für das Ehepaar Möhring und die beiden, damals noch kleinen, Kinder.
Kein Boot von der Stange
Der erste Törn führte die Elsflether Familie nach Friedrichstadt an der Eider, drei Urlaubswochen an Bord, die den Elsflethern unvergesslich blieben. Mit Schaulustigen und anderen Skippern kam die Familie Möhring immer schnell in Kontakt, der Eigenbau bot stets Gesprächstoff für maritime Fachsimpeleien. „Daran“, sagt Möhring, „hat sich bis heute nichts geändert, egal ob wir in den Ostseehäfen, in Schweden, Amsterdam oder Kopenhagen zu Gast liegen – es ist eben kein Boot von der Stange“.
Geändert hat Möhring inzwischen die Innenaufteilung. „Nachdem die Kinder erwachsen sind, habe ich mein Boot seniorengerecht ausgestattet."
Törn in die Ostsee
Ende der Teepause, Karl-Heinz Möhring nimmt den Schlauch und verpasst seiner „Töw mi“ eine letzte Schönheitswäsche. Nur noch ein paar Wochen, dann geht es für zwei Monate in die Ostsee.
