ELSFLETH - Seit die klassische Funkerausbildung im Jahr 1989 wegen des aufkommenden Satellitenfunks eingestellt wurde, herrschte an der Seefahrtschule Funkstille, seit Norddeich Radio im Jahr 1998 als „knd = Küstenfunkstelle Norddeich“ den Betrieb aufgab, herrscht auch dort Funkstille. Funkstille überall? Mitnichten, der Beruf des Funkers wurde zwar wegrationalisiert, aber noch gibt es sie, die Funkamateure, die per Morsealphabet ihre Mitteilungen in alle Welt senden. In vielen Ländern wurden Vereine gegründet, um die nostalgische Morsetelegrafie über Kurzwelle, ein „Verfahren, bei dem der Mensch dominiert“, am Leben zu erhalten.
Die Clubstation Seefahrtschule Elsfleth mit dem offiziellen Rufzeichen „DLØEL" (Delta-Lima-Zero-Echo-Lima) besteht schon seit den 50er Jahren und wurde von den damaligen Funklehrern Klaus Duhme, Johann Zimmermann und Jürgen Rahn gegründet.
Gemeinsam unternahmen sie damals die ersten Gehversuche im Funkfernschreiben und Tastfunk. Mit dem Auslaufen der Funkerausbildung wurde es etwas still um die Station und erst in den Jahren 98/99 kam ein steigendes Interesse der Nautik-Studierenden an Funkbetrieb und -technik wieder auf; die Station wurde zu neuem Leben erweckt. Inzwischen ist die Amateurfunktätigkeit am Fachbereich ein anerkanntes Wahlpflichtfach, in das Jürgen Rahn engagiert seine ganze Erfahrung und sein Wissen einbringt.
Drei Funker vom Deutschen Amateur Radio-Club (DARC) sitzen so in der „Funkerbude“ oben im Turm Fachbereichs Seefahrt, um gemeinsam mit Jürgen Rahn am „Radiomaritime Day 2009“, einem weltweiten 24-stündigen Funkwettbewerb, teilzunehmen. Gemeinsam vertreten sie beim Wettbewerb den Elsflether Fachbereich Seefahrt, zusätzlich vertritt Manfred Baake als ehemaliger Berufsfunker sein früheres Schiff, die „Wasserfels“, Peter Busse seine ehemalige Küstenfunkstelle Norddeich Radio und Uli Herzog aus Frieschenmoor die Funkamateure.
Grüße gilt es an diesem Tag allerdings nicht zu versenden. „Es werden ausschließlich Daten ausgetauscht“, erklärt Jürgen Rahn. Für die weltweiten Verbindungen bekommen die angemorsten Stationen Wettbewerbspunkte vergütet, für den Austausch von Küstenstation zu Küstenstation gibt es fünf Punkte, von Schiff zu Schiff drei Punkte, von Schiff zu Funkamateur und umgekehrt jeweils zwei Punkte und von Funkamateur zu Funkamateur ein Punkt.
Dabei werden mit einer speziellen Uhr auch die „Silence periods“, die Funkstillen für den möglichen Einsatz von Notrufen, genau überwacht. In der ersten halben Stunde kontaktieren die Elsflether Funker zwei Stationen in Finnland, leider schwächeln die Verbindungen und können nicht aufrechterhalten werden. „Macht nichts“, trösten sich die Funker, „der „Radiomaritime Day“ ist ja noch lang".
