ELSFLETH - ELSFLETH - Solch einen turbulenten Sitzungsbeginn hatte Ratsvorsitzender Gerhard Kunschke, seit 1968 Kommunalpolitiker, noch nicht erlebt. Mit Trommeln und Pfeifen stürmten am Dienstagabend die Kinder des von Schließung bedrohten AWo-Spielkreises den Ratssaal und setzten sich zwischen die Tische, Eltern und Angehörige formierten sich entlang der Wände mit Schildern und Transparenten zu einer Protestkundgebung. „33 Jahre Spielkreis – Was wird aus uns Kindern?“ war da unter anderem zu lesen. Das Spektakel diente dem Zweck, dem Ratsgremium klar zu machen, was für Kinder und Eltern aufgrund der Pleite des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbandes auf dem Spiel steht.
Die Sorgen der Eltern vermochte Bürgermeister Diedrich Möhring nicht zu zerstreuen. „Wir haben alles erdenklich Mögliche unternommen“, sagte er. Der Betrieb im Spielkreis-Haus an der Bahnhofstraße sei aufgrund der Intervention der Stadt aber auf jeden Fall bis zum Ende des Kindergartenjahres am 31. Juli gesichert, teilte er mit. Die Stadt habe sich zur Kostenübernahme bereit erklärt. Wäre es nach der AWo gegangen, stünden die Kinder schon ab dem morgigen 1. Juli vor verschlossenen Türen. Möhring betonte, dass die Stadt das Dilemma um die in Kürze heimatlos werdenden Spielkreis-Kinder nicht zu veranworten habe.
Vor Beginn der Sitzung hatte (Noch-) Geschäftsführer Helfried Pott unter den Eltern die Stimmung geschürt. Mit einem Vertragsentwurf in der Hand, wies er der Stadt eine Teilverantwortung am Ende des Elsflether AWo-Kindergartens zu. Die Stadtverwaltung zeige kein Interesse an der Rettung des Spielkreises und lehne eine Überführung des Kindergartens in eine neue gGmbH unter AWo-Trägerschaft pauschal ab, so Pott. Laut Bürgermeister Möhring allerdings ist ein neuer Vertrag mit der AWo in der von Pott vorgelegten Form nicht akzeptabel. Der Pleite-Geschäftsführer hat sich, so klang es in den letzten Tagen immer wieder durch, den Ruf eines handlungsfähigen Partners, mit dem man noch Verträge abschließen sollte, gründlich verscherzt.
Wie es für die 25 Spielkreis-Kinder ab August weitergehen könnte, war gute zwei Stunden später Thema im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung. Gestern gab der Bürgermeister dazu eine Presseerklärung heraus. Danach sind die beiden kirchlichen Kindergartenträger in Elsfleth bereit, die Kinder aufzunehmen. Die Verwaltung soll jetzt konkrete Verhandlungen aufnehmen.
Kommt es zu einer solchen Lösung, bleibt bei den Eltern die Sorge, dass für ihre Kinder nur ein Platz in einer Nachmittagsgruppe bleibt. Das aber wollen – oder können – die wenigsten.
