ELSFLETH - Die Zeit um Christi Geburt – das römische Weltreich expandiert in atemberaubenden Ausmaßen, von der iberischen Halbinsel, Großbritannien und Gallien über die Levante-Länder bis hin nach Syrien und Kappadozien reicht der Einfluss römischer Kaiser dank ihrer High-Tech-Armeen. Aber: wie in dem kleinen gallischen Dorf, wo dessen Bewohner behaupten „Die spinnen, die Römer“ setzen auch die Germanen der Eroberungslust eine Grenze, nach der Varus-Schlacht erlahmt die Expansionspolitik, der Limes-Grenzwall ist dafür ein klares Zeichen.

Dennoch hat Rom auch im nie eroberten Barbarenland „Germania Magna“ zahlreiche Spuren hinterlassen – sogar in der Elsflether Region. Über die Funde auf dem Gebiet „Hogenkamp“, einem Areal westlich der Fischteiche an der Bundesstraße 212, berichtete jetzt der Archäologe Kai Mückenberger (Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung) auf Einladung des Elsflether Kulturvereins im voll besetzten Heye-Saal.

„Was uns verwundert hat, ist die immense Menge der gefundenen Artefakte auf einem relativ kleinen Gebiet“, betonte Mückenberger. Der Fund einer hölzernen Flechtwand lasse eine Art Uferbefestigung für Schiffsanlandungen vermuten. Über die Jahrhunderte hinweg hat die Marschenkleie die Fundstücke bestens konserviert.

Bestens konserviert

Ans Tageslicht kamen rund 500 Buntmetallstücke, unzählige römische Fibeln – die Sicherheitsnadel der Antike – an deren Formen man östliche und westliche Kultureinflüsse ablesen konnte, 160 römische Münzen, von der Sesterze bis hin zu silbernen Denaren, sowie Unmengen von Feinkeramikscherben, die nachweislich aus dem Produktionsgebiet Rheinzabern stammen, dazu Zaumzeugverzierungen, Öllämpchen, ein römisches Tintenfass und eine kleine Mercurius-Statuette. „Es stellt sich die Frage, waren es germanische Söldner in römischen Diensten, die hier bei Elsfleth zusammenkamen“, so Mückenberger, „oder hat in diesem Gebiet eine Buntmetallverarbeitung stattgefunden?“


Grabung notwendig

Sollte es eine Siedlungsfläche gewesen sein, in der auf Grund der Wasseranbindung ein reger Handel betrieben wurde? Mückenberger: „Für mich zeichnet sich der Hogenkamp als ein Zentralort für Handel und Handwerk ab, die Bedeutung dieser germanischen Siedlung mit ihren römischen Funden kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, eine weitere Grabung halte ich für dringend notwendig."