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Reportage Elsfleth: Ganz kurz Kapitän auf der "Lissi"

Felix Frerichs

ELSFLETH - Der Maschinist hastet zum Oberdeck. Er ruft Richtung Brücke: „Wir müssen sofort stoppen.“ Reinhard Meister alias „Chico“ bleibt ganz ruhig. Der Mann im blauen Pulli, der den weißen Schriftzug des Schulschiffvereins trägt, ist Kapitän und hat heute das Kommando über die „Lissi“. Trocken, beinahe trotzig murmelt er zu sich selbst: „Solange wir das Schiff halten können, regt mich nichts auf.“

Die Uhr zeigt eine Minute nach 17 Uhr. Eine Stunde ist die Großherzogin Elisabeth nach ihrem „Winterschlaf“ auf Fahrt. Nach der langen Pause ist die alte Dame wieder unterwegs, wenn auch nur kurz. Ein Maschinenschaden scheint den kleinen Ausflug auf Hunte und Weser jäh zu unterbrechen.

Eine Stunde zuvor sind 55 Erst- und Zweitsemester des Fachbereichs Seefahrt an Bord gegangen für eine dreistündige Schnupperfahrt auf dem 102 Jahre alten Gaffelsegelschoner. Auch die

NWZ

  ist mit an Bord. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner, dass die kurze Schnupperfahrt deutlich länger dauern wird als geplant, weil eine Einspritzdüse defekt ist. „Voll Steuerbord, Ruder hart Backbord“, sagt Kapitän Reinhard Meister stoisch, doch diesmal klingt die Stimme etwas angespannter. Die Maschinen stoppen. „Da vorne sind zwei Schlepper“, deutet Jens Wilbertz, der ebenfalls über das Kapitänspatent verfügt, durch das große Fenster auf der Brücke.

Unter den Studenten ist die Laune bestens, und wenn man ehrlich ist: unter der Besatzung auch. Auffällig ist die allgemeine Gelassenheit der Crewmitglieder, die zwar konzentriert aber ohne Hektik ver­- ­su­­chen, das Problem zu lösen. An Bord ist auch Kapitän Horst Werner Janssen, der die Lissi 1983 nach Elsfleth holte.

Es sind alles erfahrene Kapitäne, die hier auf der Brücke stehen – außer mir. Eine defekte Einspritzdüse kann sie nicht aus der Ruhe bringen. Aber trotz des Schadens schafft es die Lissi zurück nach Elsfleth.

Durch den Zwischenfall an Bord hätte ich fast vergessen, dass ich zwischendurch das Steuerrad in der Hand hatte. Jens Wilbertz hatte es mir übergeben. Doch als die Sache mit dem Motor kam, habe ich mich schnell zurückgezogen und den echten Kapitän machen lassen.

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