ELSFLETH - Achtzehn Jahre lang war David Schlageter von Bergen umzingelt. Schiffe kannte er als Kajaks, mit denen er hin und wieder über den Bodensee schipperte. Doch in dem Baden-Württemberger schlummerte eine unbezähmbare Sehnsucht – nach der großen, weiten See. „Irgendwas mit dem Meer wollte ich schon immer machen. Meeresbiologie fand ich zu langweilig – da sitzt man die meiste Zeit am Schreibtisch“, erzählt der 22-Jährige. Nach eingehender Recherche, entschloss er sich, Kapitän werden zu wollen, bewarb sich an der Seefahrtschule in Elsfleth und bekam prompt einen Studienplatz.

Heute, vier Jahre später, ist David Schlageter beinahe fertig mit seinem Nautik-Studium. Eine Prüfung noch, dann kann er als Offizier in See stechen. Da die wirtschaftliche Lage der Redereien derzeit nicht allzu rosig ist, und der Baden-Württemberger noch keinen Job in Aussicht hat, geht es jetzt erstmal heimwärts. „Die Berge habe ich hier wahnsinnig vermisst“, gesteht er. Weil er als Offizier und später Kapitän von überall aus an Bord gehen kann, wird er auf sein geliebtes Alpenvorland auch nicht mehr verzichten.

Dennoch schwärmt er von einer schönen Zeit in Elsfleth. Die übrigens begann mit dem Sprung ins kalte Wasser – zum Glück nicht sprichwörtlich. Denn das erste seiner beiden Praxissemester begann gleich zu Anfang der Ausbildung. Anstatt ein Zimmer im Studentenwohnheim bezog David die Kajüte an Bord eines großen Containerschiffes. Sechs Monate ging es als Kadett über das karibische Meer und entlang der südamerikanischen Küste. „Am Anfang war das irrsinnig aufregend“, erinnert er sich – aber dann kam die Routine und er gewöhnte sich an das Leben auf dem Meer. Angst habe er nie gehabt, beteuert er und auch für Einsamkeitsgefühle wäre wenig Platz gewesen. „In der Freizeit habe ich unter Deck mit den philippinischen Matrosen Karaoke gesungen“, lacht er. Höchsten ein bisschen Luxus auf hoher See, wie „mal ne Pizza bestellen“, fehlte dem 22-Jährigen, der trotz teilweise heftigem Wellengang weitestgehend vor Reisekrankheit verschon geblieben ist. „Nur einmal, nachdem der Schiffkoch Ochsenzunge gekocht hat, war mir übel – aber das mag an dem Gericht gelegen haben“, lacht er.

Wieder an Land habe er das Meer nach sechs langen Monaten sogar richtig vermisst, erinnert sich der Student. Bevor ihn das folgende Praxissemester über das Mittelmeer an den Bosporus führte, gab es für ihn und seine Kommilitonen aber noch Ausbildungsfahrten mit der „Lissi“. Die „Großherzogin Elisabeth“ ist und bleibt allerdings das einzige Segelschiff, mit dem sich David anfreundete. „Ich brauch einen Motor unter dem Hintern“, erklärt er lachend. „Oder die Berge am Horizont“, fährt er nach einer Weile sehnsüchtig fort und lässt seinen Blick entlang des Elsflether Hafens schweifen.

Aber dann beginnt David, der süddeutsche Seefahrer, von den Nächten an Bord zu schwärmen, dem Rollen und Stampfen und den sanften Wogen der Wellen, die ihn Abend für Abend in den Schlaf gewogen haben.