ELSFLETH - Ein leises Blubbern ist zu hören, aus dem Wasserkocher steigt langsam Dampf auf. „Nehmen wir lieber die Beutel, für den schwarzen Tee brauchen sie eine Kanne“. Erika Stanzik wählt den Kräuter-Tee. „Ohne Zucker, das ist mir süß genug.“
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-Tischgespräch erzählt Erika Stanzik die Geschichte ihres Lebens. Es ist die Geschichte, wie sie nach Neuenfelde kam. Seit 2008 ist sie Vorsitzende der Elsflether Landfrauen. Am 8. November fanden im Bürgerhaus Neuenfelde Neuwahlen statt, das neu gewählte Vorstandstrio besteht aus Erika Stanzik, Ute Schmidt und Gudrun Göhr-Weber. Wie wird eine Großstädterin zur Landfrauen-Vorsitzenden in Neuenfelde?Erika Stanzik wurde 1938 in Bremen geboren. Ihr Gesicht strahlt Frische aus, die Haut wirkt glatt und ebenmäßig und strahlt etwas Jung gebliebenes aus. Erika Stanzik ist 73 Jahre. Man mag es kaum glauben. „Danke“, sagt sie bescheiden und freut sich über das Kompliment auf ihr Alter. Dabei ist es mehr eine Tatsachenbeschreibung, als das obligatorische „Sie haben sich aber gut gehalten.“ Die längste Zeit dieser 73 Jahre – 55 Jahre, um genau zu sein – hat sie nicht in Neuenfelde gelebt, sondern in einer Großstadt: in Bremen. „Ich habe zuerst Zahnarzthelferin gelernt, aber dann auf Sekretärin umgesattelt. Ich habe noch richtig Steno und Schreibmaschine gelernt“, sagt sie und nimmt einen Schluck Tee.
Ihrem Mann und ihr gehörte in Bremen ein eigenes Mehrfamilienhaus, in dem sie zusammen mit ihren beiden Kindern lebten. Anfang der 70er-Jahre überlegten sie, sich fürs Wochenende einen Wohnwagen kaufen. Stattdessen wurde es ein 200 Jahre altes Reetdach-Haus in Neuenfelde. 1975 kauften die Stanziks es.
„Unsere Kinder waren noch klein. Wir sind nur einmal im Jahr nach Neuenfelde gefahren“, erzählt Erika Stanzik. Von Wochenend-Haus konnte also keine Rede sein. Es war ja auch kein bewohnbares Gebäude, stattdessen sah das Ehepaar einmal im Jahr nach dem Rechten und beschnitt die großen Eschen, die kräftig wuchsen innerhalb eines Jahres. Zehn Jahre später boten sie ihr Grundstück der Stadt Elsfleth zum Kauf an – ohne Erfolg. 1987 – 12 Jahre nach dem Kauf – bauten sie dann auf dem Fundament einer nie gebauten Garage dann doch noch ihr kleines Wochenend-Häuschen. „Innerhalb von drei Wochen waren wir fertig“, erinnert sich die Landfrauen-Vorsitzende. Auch im übertragenen Sinn traf dies zu. „Mein Mann und ich haben alles alleine gemacht. Zum Schluss habe ich meinen Blaumann und meine Stiefel draußen verbrannt.“ Erika Stanzik lacht. „Bis Weihnachten wollten wir fertig sein.“ Es klappte. Silvester wurde sogar mit Freunden in dem 20 Quadratmeter großen Ferien-Häuschen gefeiert. „Das sind die Bremer“, haben die Nachbarn immer gesagt. Auch, als einmal die Stadt nachfragte, wem eigentlich dieses Häuschen gehörte. „Drei Jahre haben wir in unserem Ferienhaus gewohnt.“
Anfang der 90er-Jahre entschieden „die Bremer“ komplett nach Neuenfelde zu ziehen. Sie bauten zweimal an, so entstand ein Winkelbau. „Wir haben siebenmal Richtfest gefeiert“, so Erika Stanzik. 1993 zogen sie ein und wurden Neuenfelder. „Bis auf die Fußbodenheizung haben wir alles selbst gemacht.“ Erika Stanzik überlegt kurz und sagt: „Wir wurden in Neuenfelde sehr gut aufgenommen.“ Das ist der Rest der Geschichte: 1995 trat Erika Stanzik in den Landfrauen-Verein ein. . .
