ELSFLETH - „Adler sollen fliegen. . .“ Das schwarze Smartphone von Cordula Rebehn macht sich mit einem alten Pur-Hit bemerkbar. Während die Melodie des Liedes, als Klingelton zweckentfremdet, erklingt, sagt die 49-Jährige beiläufig beim Rangehen: „Das ist eines von meinen Kindern“. Dann tippt sie kurz auf den Bildschirm und nimmt ab.

Tochter Wiebke ist dran. Es ist nicht etwa so, dass mütterliche Intuition Cordula Rebehn das schon vorher verraten hat, sondern die Tatsache, dass sie für ihre Kinder einen eigenen Ton in ihr Handy einprogrammiert hat. Und der heißt eben „Adler sollen fliegen“ von Pur. Das Tischgespräch findet in der Steinstraße im Café Heeren statt. Es ist weniger ein Mittagessen als ein verspätetes Frühstück. „Ich kann jetzt noch kein Schnitzel essen“, sagt Cordula Rebehn, was in Anbetracht der Uhrzeit – es ist kurz nach 11 Uhr morgens – auch verständlich ist.

Ein belegtes Brötchen mit Butterkäse „und viel Salat, dazu einen Cappuccino“, bestellt Rebehn. Schwer zu sagen, in welcher Funktion sie nun da ist – ob als Sprecherin der Bürgerinitiative Moorriem oder als Kandidatin für den Stadtrat bei der Kommunalwahl. Und so hängt alles zusammen: „Eines Morgens klingelte Rolf Mielke bei mir Sturm“, erinnert sich Rebehn an den Anfang der Bürgerinitiative gegen die geplante Konverterstation des Norger-Konsortiums. „Es war der 14. August 2010“, erinnert sie sich an das genaue Datum. „Was dann folgte, war eine sehr aktive Zeit“, sagt die Sprecherin der BI, wohl wissend, dass dies etwas untertrieben war.

Sie und ihre Mitstreiter haben Unterschriften gegen die Anlage in Moorriem gesammelt und Einspruch eingelegt. „Norger und Tennet haben schnell Bekanntschaft mit unserer penetranten Art gemacht“, sagt Rebehn. Penetrante Art? „Das dürfen Sie ruhig so schreiben“, fügt sie hinzu. Ihre Arbeit für die Bürgerinitiative spanne auch den Bogen zur Politik, erklärt Rebehn bei einem Schluck aus der Cappuccino-Tasse. „Wir haben es als unsere Aufgabe gesehen, den Rat zu informieren“, sagt sie. So sei der Kontakt zur Politik zustande gekommen.

Cordula Rebehn ist Mutter von sechs Kindern zwischen sieben und 29. Dazu hat sie schon zwei Enkelkinder, sieben und acht Jahre alt. Mit ihrer Familie lebt sie seit elf Jahren in Nordermoor, Moorriem. „Eine alte Schule, deren Anfänge aus dem 17. Jahrhundert stammen“, sagt Rebehn ohne großen Pathos. „Die Sanierung dauert immer noch an – es gibt viele Auflagen. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Aber es ist schön.“ Geboren wurde sie in Krefeld, wo sie „drei Wochen“ gelebt habe, betont Rebehn. Aufgewachsen ist sie in Oldenburg. In Hamburg lebte sie mit ihrem ersten Mann, bevor sie erst nach Delmenhorst und 2000 nach Moorriem zog. „Einfach toll ist es dort“, sagt sie.


Die letzte Zeile in dem Pur-Lied geht so: „Was wirklich bei der Leistung zählt, ist der innere Sieg“. Ein Satz, den Cordula Rebehn so unterschreiben würde. Bestimmt.