ELSFLETH - „Ganz schön heftig da drin, aber ich denke, ich werde das schaffen!“ Guten Mutes öffnet der 19-jährige Tobias die Tür zur Beckenhalle im Maritimen Trainingszentrum. Und schon heult ihm das Inferno entgegen.
In der Halle tobt der Sturm, es ist finster bis auf einen Suchscheinwerfer, hohe Wellen türmen sich im Becken auf. Darauf tanzt mit voller Besatzung die Rettungsinsel wie eine Nussschale. Was dem Crew-Mitglied des Elsflether Segelschulschiffs „Großherzogin Elisabeth“ noch bevor steht, haben Anna (17 Jahre) und Iris (39) gerade heil überstanden. „Wir waren voller Vorfreude“, erzählen die beiden Frauen noch etwas außer Atem. „Als wir dann diese Mörderwellen sahen, blieb nur noch Angst“.
Doch Anna und Iris besiegten ihre Angst, meisterten die Wellen – und bildeten so zusammen mit 41 weiteren Mitstreitern der „Lissi“ eine tapfere und erfolgreiche Runde. Die Crew hatte sich zum Überlebenstraining angemeldet und erfüllt nun die Vorgaben des ISAF-zertifizierten Sicherheitstrainings, das seit 2006 Voraussetzung ist, um an Regatten der Kategorie 2 teilnehmen zu können.
Während die Frauen sich in die Umkleidekabine verziehen, ist die zweite Gruppe der „Lissi“-Crew schon mit ihren Rettungswesten im Wasser und schließt sich zur „Runde“ zusammen. Sie müssen dicht beieinander bleiben, um nicht abzudriften, wenn der Sturm losbricht. „In dieser ersten Phase haben wir zu dritt ein Auge auf die Probanden“, sagt ISAF-Ausbilder Max Rinke. „Da könnte es nämlich passieren, dass die Schiffbrüchigen vor lauter Konzentration und Anspannung ihren Nebenmann ganz unbeabsichtigt unter Wasser ziehen“.
Gemeinsam mit Max Rinke leiten Tobias Schultze und Anja Ahlers die Ausbildung. Dann wiederholt sich das Sturm-Szenario noch einmal, die Crew hilft sich gegenseitig in der Dunkelheit bei hohem Seegang in die Rettungsinsel. Der imaginäre Rettungshelikopter erscheint, und die „Schiffbrüchigen“ werden aus der Rettungsinsel nacheinander geborgen.
Das Marikom-Team ist voll des Lobes: „Wir hatten in der Gruppe Teilnehmer von 17 bis über 60 Jahre. Auch die Älteren haben das Training hervorragend gemeistert.“ Gemeistert hat die 43-köpfige „Lissi“-Crew auch die Trainingssparte „Advanced Fire Fighting“ mit Brandvermeidung und -bekämpfung, Einsatz des Feuerlöschers sowie der Löschdecke. Diesen Teil der Ausbildung hatten die Trainer Michael Schultze und Jens Brinkmann geleitet.
