ELSFLETH - 40 junge Männer waren es am Anfang. Als Schiffbau-Lehrlinge lernten sie zwischen 1950 und 1955 auf der Elsflether Werft. Acht von ihnen sind inzwischen gestorben, zwei leben im Pflegeheim. „Und vier habe ich nicht gefunden“, sagt Walter Dauter.
Der 78-Jährige ist der frühere Schiffbaumeister der Werft. Auch im Alter wird er seiner Rolle als Meister gerecht. Walter Dauter machte sich 60 Jahre nach Ausbildungsbeginn auf die Suche nach seinen früheren Kollegen, die mit ihm auf der Werft gearbeitet hatten. Der Mann mit der Schirmmütze betritt eine weißverputzte Werft-Baracke. „Auf diesem Stuhl habe ich 22 Jahre lang gesessen.“ Es ist das Meisterbüro, in dem Dauter über zwei von den insgesamt vier Jahrzehnten zubrachte. „Dieser Schrank“, sagt der Ruheständler und zeigt auf eine kleine Kommode mit Schubladen, „war früher für die geheimen Unterlagen.“ Um Werksspionage zu verhindern, musste jeder Ingenieur die Zeichnungen abends hier einschließen.
Am 3. Mai gibt es nebenan in der Kantine ein großes Wiedersehen der ehemaligen Schiffbau-Lehrlinge. 24 hat Walter Dauter aufgespürt. Sie sind über den ganzen Globus verteilt – von den Kanaren bis nach Schweden. 50 Jahre hat Dauter seine Lehrlinge nicht gesehen. „Das wird ein freudiges Ereignis“, sagt er.
Dauter hat ihnen Briefe geschrieben, einige rief er direkt an. Zwei Brüder trieb er in Göteborg (Schweden) auf, einen anderen fand er in Las Palmas auf Gran Canaria. „Ich werde der älteste sein“, so Dauter. Aber auch seine Kollegen sind alle über 70. Die jungen Männer von damals sind alt geworden.
Dann zeigt Dauter auf das große Werkstor. „Dort wollen wir uns treffen, wenn das Wetter gut ist.“ Um 14 Uhr am 3. Mai findet das Wiedersehen statt. Dann wird der Schiffbaumeister Namensschilder verteilen, die die Werft für diesen Tag drucken ließ. „Ich würde die meisten sonst nicht wiedererkennen“, gibt er zu.
Außer die Brüder Göbel aus Schweden. Mit denen ist er befreundet und hat regen Kontakt. Dieter Göbel hatte das Fernweh gepackt. 1956 wanderte der damals 22-jährige Moorriemer mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Werner nach Schweden aus. Agenten schwedischer Firmen hatten in ganz Deutschland Fachkräfte angeworben – die beiden Göbel-Brüder zogen nach Schweden. Seit 54 Jahren leben sie dort.
Nach einem Essen wird es eine Führung durch die Werft geben. Danach fahren dann alle früheren Kollegen ins Bootshaus – sie werden sich viel zu erzählen haben.
