Neuenburg - Rolf Ehlers ist traurig und wütend, er versteht die Welt nicht mehr. Mehr als 50 Jahre lang hat sein Busunternehmen Kinder zur Schule gefahren. Aber damit ist jetzt Schluss. Die Linienkonzession wurde an die Firma Bruns vergeben. „Das ist unglaublich. In all den Jahren hatten wir zwar Konkurrenz zur Firma Bruns, aber niemals unter der Gürtellinie“, sagt Rolf Ehlers und schlägt seine braunen Augen nieder. Er will die Konzession zurück. Die einzige Chance darauf ist nun aber der Klageweg.
Recht und Moral
Am Dienstagabend war er mit Eltern, Schülern, Schulleitern, Elternvertretern, Busfahrern und Vertretern des Landkreises im Neuenburger Hof zusammengekommen. Organisiert hatten das Treffen die Elternvertreter Gunda Stengler und Sonja Benicke. Mehr als 60 Bürger waren ihren Rufen gefolgt.
Der Hintergrund der Neuvergabe der Konzession ist wenig spektakulär. Das Personenbeförderungsgesetz regelt die Schülerbeförderung, die Linienkonzessionen werden von der Landesnahverkehrsgesellschaft vergeben. Die Konzession für die betroffenen Linien musste neu vergeben werden – eigentlich ein rein bürokratischer Vorgang. Alle gingen davon aus, dass sie erneut an die Firma Ehlers vergeben wird.
Doch wenn die Neuvergabe der Konzession notwendig wird, haben alle Unternehmer das Recht, Anträge auf eine Linienkonzession zu stellen. Und das hat die Firma Bruns getan. Sie hat ihr Angebot ausgestaltet und den Zuschlag erhalten. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich die Firma Bruns bewirbt, aber sie hat das Recht dazu“, sagt Rolf Neuhaus vom Landkreis Friesland.
Recht hin oder her, Rolf Ehlers fühlt sich hintergangen. „Das gebietet doch der moralische Anstand, sich nicht hinter unserem Rücken um unsere Linienkonzession zu bewerben“, sagt er. „Ich hoffe, dass Bruns sich doch noch zurückzieht. Denn das gehört sich einfach nicht. Nach fünfzig Jahren ist das, als trage ich ein Kind zu Grabe.“
Den Eltern geht es nicht vorrangig um das Wohl der Firma Ehlers, vielmehr sehen sie ihre Kinder bei dem Busunternehmen einfach gut aufgehoben. „Jetzt bei Bruns müssen die Kinder auf den Klingelknopf drücken, wenn sie wollen, dass der Bus anhält. Aber da kommt ja gar nicht jedes Kind ran an die Klingel“, sagt Elternvertreterin Gunda Stengler.
Sitzplatz nicht garantiert
Außerdem sei bei Bruns Reisen nicht für jedes Kind ein Sitzplatz garantiert, bei Ehlers dagegen schon.
Das persönliche Verhältnis zwischen Ehlers-Busfahrern, Eltern und Lehrern sei gut, außerdem würden die Ehlers-Fahrer die Buskinder kennen, sagen die Elternvertreter. Sie wollen, dass alles beim Alten bleibt. „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir das Ruder noch rumreißen können“, so Elternvertreterin Sonja Benicke.
Die Zukunft seines Unternehmens stehe aber nicht auf dem Spiel, betont Rolf Ehlers: „Wir sind hier ja eine alteingesessene Firma.“
