EMDEN/BREMEN - Die Tage und Nächte an Bord sind diesmal länger als sonst: Ohne Antrieb und Fracht dümpeln derzeit viele Schiffe in den Häfen. Für die Notbesatzungen bleiben nur Routine- und Wachaufgaben zu erledigen. Wenn die Seeleute Hilfe oder einfach nur Abwechslung vom Bordbetrieb brauchen, gehen sie zur Seemannsmission. „Trotz der Krise und weniger Schiffsverkehr ist für uns die Arbeit nicht weniger geworden“, sagt Pastor Meenke Sandersfeld von der Seemannsmission in Emden.

Rat und Unterstützung

Das Haus der Ostfriesischen Evangelischen Seemannsmission will weniger Durchgangsstation als vielmehr Ankerplatz für Menschen sein, die Unterstützung oder Rat brauchen. Zwar hat sich in den vergangenen Wochen die Zahl der ankommenden und abfahrenden Schiffe verringert. Doch die Besatzungen haben nun mehr Leerlauf und müssen nicht mehr nach einem kurzen Landgang zur Abfahrt zurück an Bord sein. „Die Leute haben mehr Zeit, und unsere Kontakte werden intensiver“, sagt Sandersfeld.

In den Gesprächen kommt immer wieder die Sorge um die ungewisse Zukunft hoch, berichtet der Pastor aus seiner seelsorgerischen Arbeit: „Von einem einzigen Gehalt hängt häufig die soziale Lage mehrerer Familien ab.“

Sandersfeld und seine Mitarbeiter helfen, so gut es eben geht. Sie begleiten Seeleute zu den Behörden und organisieren Fahrgelegenheiten. E-Mails abfragen, telefonieren, Frühstück oder Abendessen und dann zurück zum Schiff – damit ist vielen Besuchern schon geholfen.


Auch Pastor Peter Bick in der Bremer Seemannsmission macht sich Gedanken: „Der arbeitslose Seemann sorgt sich um seine Angehörigen, die er bisher versorgt hat. Nun leidet sein Prestige, und er gibt sich die Schuld an der Misere. Doch die hat nicht er zu verantworten.“

Welle sozialer Probleme

Viele Seeleute seien es nicht gewohnt, über ihre Ängste zu sprechen, sagt Bick. Seeleute aus dem Osten fühlten sich besonders häufig als Verlierer: „Erst haben sie unter dem Wandel vom Sozialismus zum Kapitalismus gelitten und jetzt fällt auch vom „goldenen Westen“ der Lack ab. Bick erwartet „eine steigende Welle von sozialen Problemen“ als Folge der Krise.

Seemannsmission unter

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