EMDEN - Altkanzler Gerhard Schröder hat Niedersachsens dienstältesten Oberbürgermeister, Alwin Brinkmann aus Emden (beide SPD), mit einer launigen Rede in den Ruhestand verabschiedet. „Wo gibt es das noch, dass es jemand schafft, ein demokratisches Amt über ein Vierteljahrhundert zu führen?“, fragte Schröder am Sonnabend in Emden.

Brinkmann habe Werte wie Vertrauen und Kontinuität vorgelebt, die heute oft vermisst würden. „Du hast den Wunsch der Menschen nach Orientierung erfüllt“, sagte der Altkanzler zu ihm. Diese Kontinuität wünsche er sich auch auf Bundesebene, sie werde aber gegenwärtig nicht erfüllt.

Brinkmanns vorgelebte Werte seien vielerorts abhandengekommen, fügte Schröder an. „Weil das so ist, fehlt das Vertrauen in die Politik.“ Vor diesem Hintergrund lauere hinter der Finanzkrise eine politische Krise, die „an den Grundfesten rüttelt.“

Dass Gewinne privatisiert und Verluste von der Allgemeinheit getragen werden, könne auf Dauer nicht gut gehen, warnte der SPD-Politiker. Nur indem das geändert wird, könne Vertrauen wieder wachsen. „Das politische Handeln muss schlüssig, gradlinig und verlässlich sein, so wie in Emden“, verabschiedete sich der Altkanzler.

Brinkmann selber hielt sich mit großen Worten zurück. Ihm sei immer wichtig gewesen, dass die Bürger der Stadt über „unser Emden“ reden und nicht „über die da oben und die da unten“, sagte der künftige Pensionär.


Der 65-jährige Brinkmann hatte sein Amt 1986 angetreten. Während seiner Dienstzeit sank die Arbeitslosenquote in Emden von 25 auf 7 Prozent. Seit 2007 hat die Stadt einen ausgeglichenen Haushalt ohne Kassenkredite und die örtliche Wirtschaft boomt dank des stetig steigenden Autoumschlags im Hafen und der Investitionen in die Wachstumsbranche Offshore.

Brinkmanns Dienstzeit endet am Montag. Sein Nachfolger wird der ehemalige Personalratsvorsitzende des Oberlandesgerichtsbezirks Oldenburg, Bernd Bornemann (SPD). Bornemann war bei der Kommunalwahl im September zum neuen Emder Oberbürgermeister gewählt worden.