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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Kann ihre Erfindung die Welt verändern?

01.08.2017

Emden /Oldenburg Erfindungen, die die Welt verändern, entstehen an den seltsamsten Orten. Steve Jobs legte den Grundstein für Apple in einer Garage, Ottomar von Mayenburg rührte die von ihm entwickelte Chlorodont-Zahnpasta auf dem Dachboden an. Und auch die Werkstatt an der Hochschule Emden/Leer ist auf den ersten Blick alles andere als spektakulär. Mitten im Raum steht eine unscheinbare weiße Kapsel.

Diese schon fast raumfahrtartige Kapsel soll die Welt verändern – beziehungsweise unsere Fortbewegung revolutionieren. Der US-Unternehmer Elon Musk hat mit dem sogenannten Hyperloop die Vision einer Reise-Alternative, einer Art Rohrpost für Menschen. Mit einer Kapsel, die in einem Vakuum und schwebend auf über 1000 Kilometer in der Stunde beschleunigt, soll es in Zukunft beispielsweise innerhalb von 30 Minuten von Hamburg nach München gehen. Für die Umsetzung und zur Ideenfindung hat Musk mit seinem Unternehmen SpaceX einen weltweiten Wettbewerb ausgeschrieben. „So sieht das Unternehmen viele Varianten und andere Systeme. Das Projekt ist eine große Wissensschöpfung“, erläutert Jan Cordes.

Details zum Wettbewerb in Kalifornien

Ideengeber ist der US Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk. Der 42-Jährige rechnet mit Kosten von sechs Milliarden bis 7,5 Milliarden Dollar (bis zu 5,6 Milliarden Euro). Eine Hyperloop-Kapsel soll 28 Leute fassen und dabei auf 1220 km/h beschleunigen. Bei der diesjährigen „Hyperloop Pod Competition II“ treten universitäre Teams aus aller Welt mit ihren Prototypen, den sogenannten Pods, gegeneinander auf einer Teststrecke an.

Internationales Team

Er ist Teil des Teams aus 52 Studierenden der Hochschule Emden/Leer und der Universität Oldenburg. Insgesamt sechs Fachbereiche sowie 13 Nationen sind im Projektteam vertreten. „Alejandro Delgadillo hatte die Ausschreibung gesehen und hatte die Idee, das Projekt im Rahmen des Studiums umzusetzen. Ich fand die Idee gut, so haben ich und mein Kollege Thomas Schüning die Betreuung übernommen“, erläutert Prof. Dr. Walter Neu. Sie hätten das Team, das anfangs aus acht Studierenden bestand, von Anfang an unterstützt.

Erstmalig wurde der Wettbewerb 2016 ausgeschrieben – da ging es vor allem um den Sicherheitsaspekt der alternativen Mobilität. Das Team „HyperpodX“ kam in die letzte Runde, schied dann jedoch aus. In der zweiten Runde, in der die selbst entworfene Kapsel – der Pod – vor allem schnell sein soll, hat sich unter 700 Bewerbern das norddeutsche Team als eines von weltweit 24 qualifiziert. Ende August steht das große Testwochenende an. Dann schicken die Teams ihre Pods auf eine 1,2 Kilometer lange Teststrecke in Kalifornien.

Bereits in dieser Woche wird der Pod mit all seinen Komponenten eingepackt und nach Kalifornien verschickt, in der kommenden Woche werden die letzten Programmierungen vorgenommen. Dann geht es für das gesamte Team nach Kalifornien. „Da werden wir alles zusammenfügen, letzte Tests machen und Feinheiten abstimmen. Ab dem 21. August macht SpaceX dann noch einige Tests und schaut, ob der Pod wirklich sicher ist. Und vom 25. bis 27. August ist dann das Test-Wochenende“, freut sich der 22-jährige Jan Cordes. Der Informatik-Student gehört zur Abteilung „Controlling and Communication“, er kümmert sich beispielsweise um die Ablaufsteuerung, das Schweben mittels Magnet und um die Bremsen. „Es ist ein Gang an die Extreme. Normale Elektronik und Steuerung werden an ihre Grenzen gebracht. Die Umgebung macht das Projekt schwierig“, so Cordes.

Gemeint ist das Vakuum, außerdem stören die Magnete, die das Modell in einen Schwebezustand versetzen, die Sensoren. Schweben muss der Pod, um die Reibung aufzulösen und das Vakuum verhindert den Einfluss des Luftwiderstands – so soll der Pod aus Emden in Kalifornien bis zu 400 Stundenkilometer schnell werden.

Im November 2016 kam erst die konkrete Ausschreibung. Im Februar musste der finale Entwurf eingereicht werden. Im März gab es die finale Präsentation – erst dann fiel der Startschuss zum Bau. „Von März bis Juli war gar nicht so viel Zeit“, sagt Lukas Eschment, der in Emden Engineering Physics studiert.

Praxis und Theorie

„Wir sind momentan 24/7 im Stress. Jedes Teil ist eine Sonderanfertigung. Es gab vorher eine unglaublich große Planung, viel davon wurde am Computer gemacht. Und danach musste alles eingebaut werden“, erklärt Jan Cordes. „Wir verknüpfen zurzeit Technik und Informatik. Es war wie ein Traum. Und jetzt wird es anwendungsnah“, freut sich die 20-jährige Kira Schlockermann. Sie studiert Engineering Physics in Emden und assistiert im Finanz-Team.

In diesem Team hieß es Werbung machen und Klinken putzen. Denn einen Prototypen gibt es nicht umsonst. Über 200.000 Euro wurden eingeworben – neben den beiden Hochschulen unterstützen Institute und Firmen das Projekt. Teilweise war die Unterstützung materieller Natur oder auch monetär.

„An Hochschulen haben wir häufig Kontakt zu Unternehmen. Wir bekommen Anstöße aus der Industrie und Studierende testen beispielsweise die Machbarkeit von Projekten“, erläutert Walter Neu die enge Verzahnung mit Unternehmen. Obwohl es kein Preisgeld für den Wettbewerb gibt, sei das Projekt auf vielen Ebenen ein Zugewinn. „Es ist ein ganz anderes Erlebnis, wenn die Studierenden Gelerntes umsetzten und sie sehen, dass man die Inhalte brauchen kann. Auch der Kontakt zu den beteiligten Unternehmen ist toll – denn auch die suchen händeringend Ingenieure. Schon allein die Erwähnung des Projekts hat einigen Studierenden eine Einladung zum Vorstellungsgespräch eingebracht“, beo­bachtet Professor Neu. So ist Mobilität „Made in Norddeutschland“ schon vor dem finalen Durchgang beim Wettbewerb ein Erfolgsmodell.


Ein Video sehen Sie unter   www.hyperpodx.com