EMDEN - Wer erinnert sich eigentlich noch an die ursprüngliche Kunsthalle in Emden, wie Henri Nannen sie mit den Architekten Ingeborg und Friedrich Spengelin gebaut hatte? Im Herzen der Kleinstadt von 50 000 Einwohnern, am Emder Stadtgraben, fand der Besucher hinter hohen Bäumen ein modernes und zugleich zurückhaltendes Gebäude mit bescheidenem Eingang, roten Backsteinen und blauen Fensterrahmen. Es fügte sich in die Nachbarschaft von Mehrfamilienhäusern harmonisch ein.
Innen öffneten sich helle Säle mit weiß geschlämmten Ziegelwänden, unbehandelten Holzbalken, mit Tageslicht von Norden aus hohen Shed-Fenstern und roten Cotto-Platten als rustikalem Fußboden. Die skandinavische Inspiration, die die Planer von einer gemeinsamen Reise aus dem dänischen Louisiana-Museum in Humlebaek mitgebracht hatten, war spürbar. Diese einladende Architektur trug viel zu den menschlichen Dimensionen bei, die Bundespräsident Richard von Weizsäcker dann bei der Eröffnung 1986 so lobte.
Heute präsentiert sich die Kunsthalle so gewachsen wie erwachsen, selbstbewusst, großzügig, mit eigenem Schiffsanleger vor der Tür und dem Skulpturenpark auf der Hahnschen Insel als grünem Entrée. Doch auch mit dem mittlerweile vierten Bauabschnitt blieben dem Haus die menschlichen Dimensionen erhalten, allerdings sorgsam und liebevoll ins 21. Jahrhundert übersetzt.
Das Büro Spengelin aus Hannover hatte auch den Ausbau der Malschule (1992) und die stimmige Erweiterung des architektonischen Ensembles für die Schenkung von Otto van de Loo konzipiert, die im Jahr 2000 fertig gestellt wurde. 2006/07 übernahm die Arbeitsgemeinschaft Venneberg und Zech/Spengelin die Planung der Modernisierung des älteren Gebäudetraktes, der heute das neue Gesicht der Kunsthalle darstellt.
Kern der Maßnahmen war, die Klima- und Haustechnik auf den neuesten Stand zu bringen, um im internationalen Leihverkehr die ständig gestiegenen museologischen Standards halten zu können. Das innovative Energiekonzept beinhaltet unter anderem ein Wandtemperierungs-System, die Nutzung von Geothermie mittels Erdwärmesonden zum Heizen und Kühlen sowie eine energiesparende Innenraumgestaltung.
Die Überdachung und Umgestaltung des Atriums schuf einen modernen Veranstaltungssaal, der für Konzerte, Dinner oder auch Vorträge vielfältig genutzt wird. Bei allen Maßnahmen im Foyer und im Sanitärbereich wurden die Bedürfnisse von Besuchern mit Einschränkungen, wie beispielsweise Gehbehinderungen, besonders berücksichtigt. Dafür sorgte eine Hamburger Agentur für demografiefestes Design.
Direkt vor dem Eingang entstand ein großer Bootsanleger mit Sitztreppe, dort starten im Sommer Grachtenboote ihre Touren. Das Museumscafé Henris erweiterte seine Sonnenterrasse und verwandelte den Restaurantbereich in eine elegante Lounge mit Fotos aus dem Leben Nannens.
SERIE WIRD FORTGESETZT
