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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Lieferanten aus der Region und mehr Automatisierung

09.04.2019

Emden Mehr Automatisierung, mehr Lieferanten aus der Region und mehr agiles Arbeiten: Bei einem Standortsymposium und einem Medientag hat das Volkswagen-Werk in Emden jetzt aufgezeigt, wie es sich zukunftsfähig aufstellen will.

Die Fabrik in Emden steht vor dem wohl umfassendsten Umbau der Werksgeschichte. Ab 2022 sollen dort nach und nach keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr gebaut werden. Stattdessen soll die Fabrik zu einem Leitwerk der Elektromobilität werden.

Der Emder Werkleiter Andreas Dick betonte am Montag die Chancen, die sich für den Standort ergeben: „Ich bin überzeugt davon, dass sich der Standort mit E-Autos voll auslasten lässt.“ Mittelfristig sollen in Emden jährlich 300 000 bis 320 000 Elektroautos vom Band rollen.

Dick bezeichnete die Zeit von 2022 bis 2024 als „Übergangsphase“, in der sowohl Verbrenner als auch E-Autos in Emden gefertigt werden. Ab 2024 könnten dann nur noch E-Autos in dem Werk gebaut werden, sagte er. Betriebsratschef Manfred Wulff hakte hier allerdings ein, dass in Emden auch noch bis 2027 Autos mit Verbrennungsmotor gebaut werden könnten. Das hänge von der Nachfrage ab. „Der Kunde entscheidet“, sagte er.

Investitionen in Milliardenhöhe

VW will in den Umbau des Standorts mehr als eine Milliarde Euro investieren. Ob es allerdings noch in diesem Jahr zum ersten Spatenstich komme, ließ Dick offen, da bislang weder die baulichen Genehmigungen vorlägen noch die genaue Finanzplanung im Konzern entschieden sei.

Unabhängig von den großen Umbauplänen treibt das Werk aber auch aktuell schon seine zukunftsfähige Aufstellung voran. So will die Fabrik laut Andree Clüver, Leiter Werklogistik, die Umstellung in Richtung MEB (Modular E-Antriebs-Baukasten) dazu nutzen, die Lieferantenstruktur anzupassen. Aktuell komme von den 993 Lieferanten des Werkes nur ein Bruchteil aus der Region. „Wir wollen volumenträchtige Teile stärker lokalisieren und Zulieferer animieren, nach Ostfriesland und in die Region zu kommen“, sagte er. Dies habe sowohl wirtschaftliche Gründe – VW geht davon aus, dass die Frachtkosten in den nächsten Jahren jährlich um fünf bis zehn Prozent steigen werden – als auch ökologische Motive. Bis Ende des Jahres soll diese Lokalisierungsstrategie laut Klüver abgeschlossen sein.

Flexibler und effizienter gestalten will das Werk die Arbeitsorganisation und setzt dabei etwa auf das Projekt „Agiles Arbeiten in Teilzeit“. Rund 300 Mitarbeiter sind in der Fabrik, etwa der Montage, in Teilzeit beschäftigt. „Seit Frühjahr 2018 bieten wir als erster Standort des Konzerns Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten flexibel und weitgehend selbstbestimmt zu organisieren“, sagt Helmut Jakobs, Leiter Produktionssystem. Zwei bis fünf Mitarbeiter in Teilzeit teilen sich dabei über den gesamten Arbeitstag einen Arbeitsplatz. Die Teams, aktuell gibt es zwei in dem Werk, entscheiden dabei weitgehend selbst, wer wann arbeitet, sodass jedes Teammitglied Familie und Beruf bestmöglich vereinbaren könne, so Jakobs.

Automatisierungsgrad 100 Prozent

Auch in Sachen Automatisierung tut sich einiges im Werk. Wie Werner Leissing, Leiter Karosseriebau im Emder Werk erläuterte, ist an dem Standort eine Pilotanlage entwickelt worden, die im Karosseriebau jetzt auch Heckklappen, Frontklappen und Kotflügel sowie Türen vollautomatisch einbaut. „Das gibt es im ganzen Konzern bislang nur hier in Emden“, sagte Leissing. Damit habe man in diesem Bereich einen Automatisierungsgrad von 100 Prozent erreicht. Vorteile dieses vollautomatischen Finishings im Karosseriebau seien eine höhere Effektivität und eine ergonomischere Gestaltung der Arbeitsplätze.

Auch in der Lackiererei des Emder Werkes wurde vor wenigen Wochen ein weiterer Prozess, das Schleifen von Fahrzeugen, automatisiert. „Die Fahrzeuge müssen absolut sauber sein, bis der Lack aufgetragen wird“, erläuterte der Leiter der Lackiererei, Richard Bojen. Bislang hätten die Mitarbeiter teils noch per Hand und Schleifpapier einzelne Stellen sauber geschmirgelt. Im Zuge des Projekts „Automatisierter Füllerschliff“ gehöre das künftig der Vergangenheit an. Das sei effizienter, spare Kosten „und der Kunde bekommt ein besseres Fahrzeug“, so Bojen.

Weniger Arbeitsplätze

Klar sei, dass die fortschreitende Automatisierung und die Umstellung auf Elektroautos, deren Fertigung weniger arbeitsintensiv ist, auch Arbeitsplätze koste, so Werkleiter Dick. „Aber wenn wir nichts tun, verlieren wir noch viel mehr Arbeitsplätze – nämlich alle“, sagte er. Aktuell hat das Emder Werk rund 9000 Stammbeschäftigte. Wie viele es künftig sein werden, könne man heute nicht sagen. Spekulationen, dass 3000 Stellen wegfallen könnten, bezeichnete Dick allerdings als „unseriöse Panikmache“. Und auch Betriebsratschef Wulff betonte, dass zwar in einigen Bereichen Arbeitsplätze wegfallen würden, dass man aber auch an „Chancen der Kompensierung“ arbeite.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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