EMLICHHEIM - In der Landarztpraxis von Robert van Wermeskerken in Emlichheim herrscht geschäftiges Treiben. Vier Ärzte und zehn Mitarbeiter versorgen hier Tausende von Patienten, Säuglinge genauso wie Senioren. Die älteste Patientin ist 103 Jahre alt. Doch der Doktor ist trotzdem nicht ganz glücklich mit der Situation. Ende vergangenen Jahres hat ein Arzt die Praxis in der 14 300-Einwohner-Gemeinde im Norden der Grafschaft Bentheim verlassen. Auch der 61-jährige van Wermeskerken denkt bereits an den Ruhestand. Doch Nachfolger sind schwer zu finden.

Seit sechs Monaten schaltet der gebürtige Niederländer Anzeigen, in Fachmagazinen, im Internet. Ganze drei Bewerbungen habe es gegeben. „Warum, weiß ich nicht“, zuckt van Wermeskerken ratlos die Schultern. „Es ist sehr mühsam“, ergänzt Praxis-Partnerin Delia Schoemaker. „Der eine, der in Frage gekommen wäre, hat sich für Münster entschieden.“ Und so muss jetzt ein längst pensionierter Arzt aushelfen.

Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) hört sich die Probleme geduldig an. Die CDU-Politikerin weiß, wo der Schuh drückt. Selbst in der Grafschaft Bentheim, wo der Versorgungsgrad noch über der kritischen Marke von 75 Prozent liegt, läuten längst die Alarmglocken. In Emlichheim kommen bereits 2376 Patienten auf einen Hausarzt.

Özkan plädiert für ein Pflichtfach Allgemeinmedizin im Medizin-Studium. „Wir wollen Anreize schaffen, damit Ärzte sich in unterversorgten Gebieten niederlassen oder Zweigstellen gründen.“ Özkan unterhält sich in der Praxis mit Patienten, lässt sich den Blutdruck messen – alles im grünen Bereich. Die Ärzte in Emlichheim hat Özkan auf ihrer Seite.

Später im Kreishaus in Nordhorn erfährt Özkan, die Hausärzteversorgung sei in der ganzen Grafschaft ein großes Thema. Landrat Friedrich Kethorn (CDU) lädt gerne Medizinstudenten aus Münster in sein Büro ein. „Sie sollen sehen, dass sie hier willkommen sind“, sagt Kethorn. Im Haushalt des Landkreises sind 10 000 Euro Umzugshilfe für niederlassungswillige Mediziner veranschlagt. Und bei der Wohnungs- und Jobsuche für die Partner hilft der Kreis.


Die Landkreise hätten das Problem erkannt, lobt Özkan. Doktor van Wermeskerken muss allerdings weiter nach einem Nachfolger suchen.