Westerstede - „100 Tage nach dem Ende der Milchquote haben wir kein ,soft-landing‘ erlebt, sondern eine Bruchlandung.“ Damit brachte Ernst Steenken, Moderator einer Diskussionsrunde in Westerstede zum Ende der Milchquote seit 1. April, die Marktentwicklung aus Sicht vieler Milchbauern auf den Punkt.

Dichtes Gedränge herrschte denn auch in Heinemanns Gasthaus: Der niedrige Milchpreis bewegt viele – Milchbauern und auch Verbraucher. Letztere fürchten auch, dass der Trend zu immer größeren Betrieben neue Nahrung erhält.

Die Emotionen kochen hoch. Produktionskosten, die über den Einnahmen liegen und fehlende Krisen- und Interventionswerkzeuge – die Bauern fühlen sich dem System schutzlos ausgeliefert. „Jeder Markt findet eine Regulierung, nur der Milchmarkt nicht“, sagt ein Landwirt in der ersten Reihe und erntet aus der Runde Zustimmung.

Landes-Landwirtschaftsminister Christian Meyer zeigt sich in Westerstede solidarisch mit den Milcherzeugern. „Die Politik muss in den Markt eingreifen. In der jetzigen Situation auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, wäre fatal“, sagte der Grünen-Politiker und verweist darauf, die hohen Standards der deutschen Milcherzeuger nicht zu verspielen. Es fehlen aber weiterhin klare Deklarationen der Produkte, um zum Beispiel Weidemilch, für die Verbraucher auch bereit sind mehr zu zahlen, als Marke zu etablieren.

„Die Bauern bluten dafür, dass die Produktion schneller steigt als die Nachfrage“, kritisiert Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Schaber macht klar: Ändere sich nichts, werden viele, vor allem kleinere Betriebe, auf der Strecke bleiben.


Ottmar Ilchmann (ABL) gab als warnendes Beispiel den Schweinemarkt an. „Der Preis verlief früher in Zyklen, doch seit Jahren kommt der Preis nicht mehr aus dem Tal. Das könnte uns auch drohen, wenn wir nicht handeln.“

Jan Heusmann, Vorsitzender Landesvereinigung der Milchwirtschaft, schlug an diesem Abend der meiste Gegenwind seitens der Bauern entgegen. Er schlug die Flucht nach vorn vor: „Wir müssen das Quotensystem endlich ad acta legen und nach vorne schauen. In der jüngsten Vergangenheit wurde viel in Märkte und die Zukunft investiert, das wird uns helfen.“