EMSTEK - Es sah bedrohlich aus, als der Bauer Hermannus Georgius Bergmann mit erhobener Mistforke in der Hand in den „Umstand“ trat. An den Zinken hing noch ein „Düngeplaggen“. Um die Plaggennutzung in der Bakumer Mark ging es in dem historischen Fall, den das Gogericht auf dem Desum bei Emstek am Sonnabend verhandelte. Etwa 200 Zuschauer hatten sich eingefunden, um die Rechtsprechung und den Auftritt des Gografen zu verfolgen. Dabei unterstützten die „Kornoten“ (Beisitzer) Franz Werner und Heinrich Hülsmann, der Schreiber Ludger Brokamp, der „Urteilsweise“ Josef Emke sowie 20 Schöffen den Desumrichter.
Die Patenschaft über den Gogerichtstag hatten diesmal die Bakumer Heimatfreunde übernommen. dafür dankte ihnen Georg Meyer (Nutteln) als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Altes Gogericht auf dem Desum. Zudem stellte Bakum seinen Ehrenbürgermeister Hermann Rauber als Gografen, und lieferten den Fall: Bergmann und die Brüder Frilling sind über die „Plaggennutzung“ so in Streit geraten, dass Bergmann sein Recht auf dem Desum suchte.
Bei der Verhandlung kommt es erneut zum Streit. Wegen Missachtung des Gerichtsfriedens verurteilt der Gograf die Kontrahenten zur Zahlung eines Silbergroschens zahlen. Am ende kommt es zur Versöhnung, und das „Plaggenstechen“ soll neu geregelt werden.
Im aktuellen Fall ging es um die Wanderschäferin Maike Graedener aus Berge im Artland. Als Betroffene der „Blauzungenkrankheit“ ist sie mit ihrer Herde ins Räderwerk der Europabürokratie geraten. Für Graedener finden die Schöffen ein klares Urteil: Sie fordern die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung auf, sich den Anweisungen aus Brüssel zwar kritisch entgegenzustellen, aber daraus keinen Wettbewerb der ausufernden Bürokratie zu gestalten – der Schäferin und ihren Tieren sei mit einer Sonderregelung keine dauerhafte Lösung an die Hand gegeben.
