Landwehr - Welche Auswirkungen wird die Abschaffung der Milchquote am 1. April 2015 haben? – Diese Fragestellung mag angesichts des nahenden Termins brandaktuell erscheinen. Für diejenigen, die unmittelbar betroffen sind, hat sie sich schon vor vielen Jahren gestellt.
Landwirt Volker Schmidt aus Landwehr etwa befasste sich bereits vor 2004 intensiv mit diesem Thema. Damals stand die Übernahme des elterlichen Milchviehbetriebs an. Rentabel weiterzumachen – das war klar – würde sich nur lohnen, wenn er den Bestand von damals 49 Tieren deutlich erweiterte.
Was damals ebenfalls klar war: 2015 würde die Quotierung der Milchproduktion wegfallen. Für Volker Schmidt ein Argument, sich für das Wachstum seines Betriebes zu entscheiden und sich eine Milchquote zuzukaufen. „Als junger Landwirt fand ich es ganz toll, am globalen Markt teilzuhaben“, erzählt der heute 40-Jährige. Längst würden die europäischen Molkereien mit denen in Übersee konkurrieren. „Deutsche Produkte genießen im Ausland ein hohes Ansehen. Wir sind die bestausgebildeten Landwirte der Welt“, sagt der Milchbauer aus Landwehr.
Schmidt investierte. Er baute neue Boxenlaufställe für insgesamt 124 Milchkühe und verfügt heute über Kapazitäten für 150 Tiere. Noch schöpft er die nicht aus. Nur rund 90 Kühe melkt er – weil ihn bislang noch die Quote ausbremse, sagt der Landwirt.
Welche Folgen die EU-weite Abschaffung der – 1984 als Regulativ für die Überproduktion eingeführte – Milchquote für den globalen Markt haben wird, dazu vermag Schmidt keine Einschätzung abzugeben. Er wartet ab. „Es wird ein Mehr an Milch geben“, glaubt er. Das könne dazu führen, dass die Preise für den Verbraucher sinken.
Und für den Landwirt? – „Schwankungen des Milchpreises gibt es mit der Quote, und es wird sie auch ohne die Quote geben“, sagt Schmidt. Als im Januar die Molkereien die neuen Preise ausgegeben haben, seien diese weniger niedrig ausgefallen als erwartet. „Der Export läuft im Moment gut“, sagt Schmidt. Und möglicherweise wirke sich auch das Ende der Quotierung aus, indem sich Staaten wie China bevorratet hätten.
29 Cent hat Schmidt für den Liter Milch im Januar bekommen. Das sei nicht viel, doch der Preis steige erfahrungsgemäß im Laufe des Jahres. Jedenfalls hofft der Milchviehhalter das. „Eigentlich muss vorne mindestens eine Drei stehen.“
Weiter wachsen soll sein Betrieb nicht. „120 bis 150 Kühe – das ist das, was man als Familienbetrieb mit einem bis zwei Angestellten noch bewältigen kann.“
Dass unter dem möglicherweise steigenden Preisdruck das Wohl der Tiere leiden könnte, glaubt Volker Schmidt nicht. „Nur eine Kuh, die sich wohlfühlt, gibt viel Milch.“ Das Tierwohl habe in der Milchviehhaltung deshalb von jeher einen hohen Stellenwert, so der Landwirt. Er will seinen Kühen jedenfalls auch nach dem Ende der Milchquote weiterhin strohbedeckte Liegeflächen und regelmäßigen Auslauf im Freien gönnen.
