Aumühle - Donnerstagmorgen um zehn auf dem Campingplatz in Aumühle: Es herrscht entspannte Ruhe. Im Hintergrund ist der Verkehr der Autobahn zu hören. Rechts und links des Weges stehen Wohnwagen in Reih und Glied, meistens mit Vordach und Satellitenschüssel. Hier und da ist eine Wohnwagentür geöffnet, aus einer schaut ein kleines Kind nach draußen.
In einem Vorgarten hängt eine Frau Wäsche auf. Ich grüße sie und frage, ob sie schon weiß, dass dem Campingplatz die Schließung droht. Die Frau zuckt mit den Schultern und deutet an, dass sie mich nicht versteht. „Bulgarien?“, frage ich. Sie nickt. Ihre Nachbarin gegenüber wäscht Geschirr ab. „Können Sie mich verstehen?“ Wieder nur Achselzucken. Das Auto neben dem Wohnwagen hat ein bulgarisches Kennzeichen. Viele Männer verdienen in umliegenden Schlachthöfen ihr Geld.
Die Bulgarin zeigt auf eine Frau in grauem Jogginganzug mit Hund und macht mit Händen und Füßen klar, dass sie Deutsch spricht. Als ich mich ihr vorstelle, weiß sie schon, worum es geht. „Ich gebe keine Auskunft“, sagt sie, holt ihr Handy aus der Jackentasche und wählt eine Nummer. „Die Platzverwalterin ist schon auf dem Weg.“
Ein paar Minuten später steigt eine Frau aus einem Auto. Doris Matysik leitet seit 15 Jahren den Campingplatz Aumühle. „Ich habe schon als Kleinkind hier gespielt, als mein Vater noch Platzwart war.“ Ihr ist anzumerken, dass ihr die Schließung des Campingplatzes an die Nieren geht. Sie steckt sich eine Zigarette an. Das Besitzer-Ehepaar Mehrtens habe in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um hier einen schönen Campingplatz zu schaffen. Doch es sei nicht so gelaufen wie erhofft. Am Abend wolle sie sich mit der Betreiberin Vera Mehrtens beraten, was zu tun ist.
Zwei Wochen hat die Eigentümerin des Campingplatzes für eine Stellungnahme an den Landkreis Zeit, um eine Schließung eventuell noch abzuwenden.
Doris Matysik hat kein Verständnis dafür, dass all die Holzhütten abgerissen werden müssen. „Ob Vorzelt oder Holzhütte – wenn es brennt, kannst du eh nichts mehr retten, sondern nur noch fliehen.“
Die Platzwartin will in den nächsten Tagen von Bewohner zu Bewohner gehen und mitteilen, dass sie wahrscheinlich ihre Parzelle räumen müssen. „100 der 115 Plätze sind derzeit verpachtet“, sagt Matysik. Gut die Hälfte werde dauerhaft bewohnt. Es lebten zahlreiche Bulgaren und Polen in Aumühle. Das ist zwar nicht erlaubt, wurde aber bislang geduldet. „Das sind alles nette und liebe Leute hier“, meint die Platzwartin.
Auch Deutsche wie die Frau in dem grauen Jogginganzug gehören zu den „Dauercampern“. „Wir leben jetzt 16 Jahre hier“, erzählt die 55-Jährige. „Wir“ – das sind sie und ihr Sohn, 27 Jahre alt. Sie hätten vorher in Ganderkesee und Delmenhorst gewohnt, seien aber aus Kostengründen nach Aumühle gezogen. „Wir wollten nicht mehr in einem Wohnblock leben und beim Blick aus dem Fenster auf die nächste Hauswand schauen“, erklärt der Sohn. Seine Mutter liebe die Arbeit im Garten. Den habe sie jetzt direkt vor der „Haustür“. Mutter und Sohn können sich gar nicht vorstellen, den Campingplatz verlassen zu müssen.
Einige Camper haben das bereits getan, denn der Landkreis drängt seit zwei Jahren auf die Einhaltung des Baurechts. „Der eine oder andere Camper ist in benachbarte Landkreise umgezogen“, berichtet Matysik, „andere haben ihren Wohnwagen mit Vorzelt und Holzhütte an bulgarische Familien verschenkt und mit dem Camperleben abgeschlossen“.
Auf einigen Parzellen ist zu sehen, dass dort mal Hütten neben den Wohnwagen standen. Andere Plätze sind gänzlich geräumt. Holzschutt und Haufen von Isolierwolle lassen darauf schließen, dass dort mal Hütten standen.
Sollte die Schließung des Campingplatzes vollzogen werden, verbliebe den Campern noch eine dreimonatige Kündigungsfrist. Ein Camper habe aber bereits einen Anwalt eingeschaltet, weiß Platzwartin Matysik.
