Wildeshausen - „Das Zimmer habe ich mir selbst ausgesucht“, freut sich Ingo Sirak. Am Montag konnte der 58-jährige Wildeshauser endlich seine persönlichen Sachen einräumen. Nachbar Peter Melcher (45) war schneller: Er hat bereits den PC installiert und zahlreiche DVD ins Regal gestellt. Die beiden Männer sind die ersten von 24 Bewohnern, die die neuen Reihenhäuser der Diakonie Himmelsthür an der Harpstedter Straße in Wildeshausen beziehen. Nach dem Haus Kleine Straße (ehemals „Hotel am Rathaus“) ist es das zweite dezentrale Projekt im Rahmen des Konversions-Programms.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück an der Harpstedter Straße die Bagger angerückt waren. Im Februar wurde Richtfest gefeiert. Nun sind Projektleiterin Rita Gogolin und die verantwortliche Wohnbereichsleiterin Angela Neubauer froh, dass endlich Leben in die neuen Häuser kommt. Bis zum Ende der Woche soll der Umzug abgeschlossen sein.

Das Interesse an dem neuen Wohnangebot war groß: „Wir hatten mehr Bewerber als Plätze“, so Neubauer. Bei der Auswahl hätten Kriterien wie ein fester Ar­beitsplatz oder Sicherheit im Straßenverkehr eine Rolle gespielt. Künftig leben 15 Männer und acht Frauen in den sechs Wohngruppen. Nur ein Platz sei noch zu vergeben. Der allergrößte Teil der Kunden – genau 20 – habe bislang auf dem Zentralgelände an der Dr.-Klingenberg-Straße gelebt. Bei der Zusammensetzung der Wohngruppen seien die Wünsche der Bewohner berücksichtigt worden. „Nur in einem Fall entschied das Los“, sagte Neubauer. 15 Mitarbeiter betreuen vor Ort die Wohngruppe. Es gebe nachts einen Ansprechpartner.

Finanziell unterstützt wurde das Bauvorhaben an der Harpstedter Straße aus Mitteln der „Ausgleichsabgabe“. Hier müssen Arbeitgeber einzahlen, die nicht die im SGB IX gesetzlich vorgeschriebene Zahl von schwerbehinderten Menschen beschäftigen. Für das insgesamt 1,28 Millionen Euro teure Vorhaben erhielt die Diakonie einen Zuschuss von 22,22 Prozent der Bausumme. 44,44 Prozent stellt das Land Niedersachsen als zinsgünstiges Darlehen zur Verfügung. Es ist nicht das einzige dezentrale Projekt: Kräftig gebaut wird in Sandkrug; ein weiteres Angebot für Menschen mit Assistenzbedarf soll es in Delmenhorst geben (die NWZ  berichtete).

Die Bewohner an der Harpstedter Straße werden ihre Lebensgewohnheiten umstellen müssen. Ingo Sirak hat bislang bei seinem Vater gelebt, der bereits 88 Jahre ist. Einkaufen und Essenszubereitung sei aber kein Problem: „Erst am Sonntag habe ich Spaghetti gekocht“, verriet er.


Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent