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ENERGIE Biogas boomt jetzt auch in der Stadt

Kleinere Anlagen von Landwirten sind privilegiert

Attraktiv

wird der Bau von Biogasanlagen durch das neue Energieeinspeisegesetz. Die Produzenten können den Strom, der mit dem Gas erzeugt wird, zu einem langfristig garantierten guten Preis verkaufen.

Jeder Investor

muss mit dem Bauantrag ein Gutachten über die Anlage vorlegen. Daraus ergibt sich der Abstand zu Nachbargebäuden. Festgelegte Abstände gebe es nicht, sagt Peter Kania.

Wenn Landwirte

eine Biogasanlage bauen, die nicht mehr als 0,5 Megawatt Energie erzeugt, muss die Anlage genehmigt werden, wenn Abstände und Emissionsrichtlinien eingehalten werden.

Gebaut werden soll in Havendorf, Großensiel und Grebswarden. Bei zwei Anlagen ist die letzte Entscheidung noch offen.

Von Henning Bielefeld

Nordenham Mit einiger Verzögerung erreicht der Biogas-Boom jetzt auch Nordenham. Derzeit sind drei Anlagen geplant: in Havendorf, in Großensiel und in Grebswarden. Beim Dezernenten für Stadt- und Wirtschaftsentwicklung, Peter Kania, liegen ein Bauantrag und zwei Bauvoranfragen auf dem Schreibtisch.

Gras, Mais und Gülle


Eine der beiden Bauvoranfragen haben der Landwirt Andreas Speckels-Suhren von Gut Königsfeld und der Gärtnermeister Karl-Wilhelm Siefken gestellt. Die Anlage soll auf dem Gut am Mittelweg errichtet werden und die beiden Initiatoren wollen sie zu gleichen Teilen betreiben. Siefken rechnet mit einer Investion von 2,5 bis 3 Millionen Euro.

Allerdings ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen, sagt Karl-Wilhelm Siefken. Denn es sei noch offen, welcher Hersteller die Anlage bauen schließlich werde. Die Entscheidung zwischen den verbliebenen Anbietern soll bis Weihnachten fallen. Wenn alles glatt läuft, wollen Siefken und Speckels-Suhren im Frühjahr mit Bau beginnen. Im Herbst soll die Anlage laufen.

Gefüttert werden soll sie ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen, im Fachjargon einfach Nawaros genannt. Und zwar ganz überwiegend mit Gras und zusätzlich mit Mais von Andreas Speckels-Suhrens Feldern. Dazu kommt Gülle. „Das heißt: Am Mittelweg werden keine Gülle und kein Mist mehr ausgebracht“, erläutert Siefken. „Es gibt so gut wie null Geruchsbelästigung.“

Ausdrücklich betont Siefken, dass die geplante Anlage – anders als andere in der Wesermarsch geplante oder bestehende – keine Schlachtabfälle und auch keinen Restmüll verarbeiten werde.

Die geplante Biogasanlage wird auf 0,5 Megawatt ausgelegt. Den Strom speisen die Betreiber ins Netz ein, die Wärme soll an die Wesermarsch-Klinik geliefert werden, die damit ihre Energiekosten senken will.

Karl-Wilhelm Siefken sagt, dass es sich um eine privilegierte Anlage handelt. Dagegen rechnet Peter Kania damit, dass ein Bebauungsplan erforderlich ist.

Genau so schätzt Kania die Sachlage in Grebswarden ein. Dort wollen die beiden Landwirte Bernd Böschen, Schockum, und Hermann Engelbart auf dem Engelbart-Hof eine ähnlich große Anlage errichten. Doch auch hier ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen, wie Bernd Bö-

schen betont.

Denn auch diese beiden Interessenten wollen ganz überwiegend Gras in Strom und Wärme verwandeln. Und dafür sei eine ausgefeilte Technik erforderlich. „Mais kann jeder“, sagt Bernd Böschen. „Aber es gibt nur wenige Biogasanlagen in Europa, die reibungslos Gras verarbeiten können.“

Wärme fürs Nordbad

Auch Böschen und Engelbart wollen Strom ins Netz einspeisen und Abwärme verkaufen – in diesem Fall an die Schule Am Luisenhof und das benachbarte Hallenbad Nord. Speziell das Angebot in Bezug auf das Nordbad ist im Stadtrat mit großem Interesse zur Kenntnis genommen worden.

Am weitesten voran gekommen ist offensichtlich der dritte Interessent, ein Landwirt aus Havendorf, der sich jetzt nicht öffentlich zu seinen Plänen äußern möchte. Er hat bereits einen Bauantrag für eine Anlage im Rathaus eingereicht, die einen Kilometer von Esenshamm entfernt stehen soll.

Wie Peter Kania sagt, handelt es sich um eine privilegierte Anlage, weil sie von einem Landwirt betrieben werden soll und nicht mehr als 0,5 Megawatt Energie erzeugen wird. Deshalb sei hier kein Bebauungsplan erforderlich; der Landwirt habe einen Anspruch darauf, diese Anlage bauen zu dürfen.

Wie die NWZ bereits im Juli berichtet hatte, will der Landwirt hier aus Gras, Mais und Gülle 380 Kilowatt Strom erzeugen. Die Nutzung der Abwärme ist nach Auskunft von Peter Kania nicht vorgesehen.

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