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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„Energiewende ist ein Vollzeit-Job“

20.10.2012

Hooksiel /Berlin Es ist nicht leicht, Peter Ahmels ans Telefon zu bekommen. Ein wenig Glück gehört schon dazu, den 56-jährigen Energiefachmann zwischen einem von ihm gehaltenen Vortrag bei den Niedersächsischen Energietagen und einem Termin „an der Front“, wie Ahmels scherzhaft die Bürgerinformationsveranstaltungen zum Thema Energienetzausbau nennt, zu erwischen. „Ich kann momentan gar nicht alle Termine wahrnehmen“, muss der 56-Jährige bedauernd einräumen.

Kein Zweifel, Ahmels ist in diesen Tagen ein gefragter Experte. Seit 2009 ist der gebürtige Jeveraner Leiter des Bereiches Erneuerbare Energien beim Umwelt- und Verbraucherverband Deutsche Umwelthilfe in Berlin. Und damit mittendrin in der gesellschaftlichen Debatte um Wohl und Wehe der Energiewende in Deutschland. Hier fühlt sich Peter Ahmels sichtbar wohl. „Es macht einfach Spaß, Dinge bewegen zu können, gerade bei einem Thema das momentan ,en vogue’ ist“, erklärt Ahmels. Man merkt schnell: Die Erneuerbaren Energien sind sein Thema.

Nicht erst seit seinem Einstieg bei der Deutschen Umwelthilfe. Im Juni 1991 war er es, der die erste kommerziell betriebene Windanlage in Friesland auf seinem Hof in Hooksiel in Betrieb nahm. Doch nicht nur im Oldenburger Land galt Ahmels als einer der Pioniere der Windenergie. Lange Zeit, genauer gesagt von 1996 bis 2007, war er Vorsitzender des Bundesverbands Windenergie (BWE).

Nachdem er 2008 bei mehreren Consulting-Projekten tätig war, schien für ihn der Einstieg bei der Deutschen Umwelthilfe nur folgerichtig. „Hier haben wir momentan mehr Gestaltungsmöglichkeiten als je zuvor“, erklärt Ahmels, der sich vorwiegend mit dem Aus- und Umbau des Energienetzes sowie der hiermit verbundenen Akzeptanz seitens der Bürger beschäftigt. Themen mit hohem Konfliktpotenzial. Kaum verwunderlich also, dass Ahmels die vergangene Zeit bei der DUH als seine „spannendsten Jahre“ bezeichnet.

Dabei ist spannend auf keinen Fall mit krawallig gleichzusetzen. Denn ein Mann für die lauten und schrillen Töne ist der Friesländer nicht. „Ich bin sicherlich nicht der plakative Öffentlichkeitsmann“, erklärt der Friesländer, auch im Rückblick auf seine Zeit beim BWE.

Ihm gehe es in erster Linie nicht darum, Missstände möglichst öffentlichkeitswirksam offenzulegen, sondern vielmehr um das Finden eines Konsens, und sei es auch nur im Detail. „Wir suchen nach umsetzbaren Lösungen, wollen punktuell zu Verbesserungen kommen“, beschreibt Ahmels seine Herangehensweise. Und so ist er auch immer wieder „an der Front“ zu finden – immer dort, wo Energiewende und Bürgerunmut aufeinanderprallen.

Ein Beispiel, das Eindruck machte. „Es ist mittlerweile ein Paradigmenwechsel feststellbar“, freut sich Ahmels. „Vor vier Jahren war es noch vollkommen unüblich, neutrale Foren anzubieten, in denen die verschiedenen Interessengruppen in gelöster Atmosphäre zur Diskussion zusammenkommen konnten.“ Mittlerweile haben sogar die Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt solche Diskussionsplattformen eingerichtet.

Davon, dass Diskussionen und die Suche nach Kompromissen vor allem Zeit benötigen, kann der Energiefachmann ein Lied singen. „Die Energiewende ist ein Vollzeitjob“, bringt es Ahmels auf den Punkt. Nur noch an den Wochenenden schafft es der Friesländer, „zu meinen Wurzeln“ in Hooksiel zu kommen. Den eigenen Hof hat der promovierte Landwirt mittlerweile verpachtet.

Trotz des enormen Arbeitseinsatzes kann sich Ahmels einen Berufswechsel jedoch nicht vorstellen. So plant er bereits am nächsten Projekt, das natürlich auch mit der Energiewende zu tun hat. „Es geht um Demokratie-Weiterentwicklung“, erklärt Ahmels, „wir wollen mit sozioökonomischen Forschungseinrichtungen erforschen, welche Formen der Bürgerbeteiligung möglich sind.“ Es sei also nicht zu befürchten, dass die Arbeit weniger wird, lacht Ahmels zum Abschied.

Martin Thaler
Volontär
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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