Harpstedt/Landkreis - „Tennet steht schon zur Erdverkabelung, aber nicht 60 Kilometer in einem Stück.“ Horst-Lutz Schäfer, Projektleiter für die geplante 380-kV-Höchspannungstrasse Ganderkesee-St. Hülfe, erteilte dem Wunsch des Landkreises Oldenburg auf eine durchgängige Erdverkabelung am Dienstag eine deutliche Absage. Der Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss beschäftigte sich im Kreishaus mit der Stellungnahme des Landkreises zum Planfeststellungsverfahren und hatte dazu zwei Tennet-Vertreter sowie die Gutachterin Dr. Ilse Albrecht von der Planungsgruppe Landespflege eingeladen.

Die Verlegung der 380-kV-Trasse unter die Erde ist nach Auffassung Schäfers schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht effizient. Die Kosten für einen Kilometer Freileitung bezifferte er mit 1,4 Millionen Euro. Die gleiche Länge Erdkabel koste 6,2 Mio. Euro – nur fürs reine Material. Nur in den Bereichen Ganderkesee und Havekost/Hengsterholz, in denen die Trasse zu nah an Wohngebiete heranreiche, sei eine Erdverkabelung vorgesehen. In fünf weiteren Bereichen in der Samtgemeinde Harpstedt, in denen der Abstand zu sechs Wohngebäuden unter 200 Meter liege, sei eine Erdverkabelung wirtschaftlich jedoch nicht zu vertreten. Entschädigungszahlungen für diese betroffenen Eigentümer stellte Tennet auf Nachfrage nicht in Aussicht.

Ferner verdeutlichte der Projektleiter, dass zwar bei der Erdverlegung die elektrischen Felder abgeschirmt werden könnten, jedoch nicht die magnetischen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen hielt Tennet-Mitarbeiter Andreas Herath für nicht erwiesen.

Sauer stieß dem Ausschuss auf, dass Kompensationsmaßnahmen „im gesamten Naturraum“, also nicht zwingend im Kreis Oldenburg, erfolgen dürfen. Ilse Albrecht betonte, dass es sehr schwer sei, Flächen zu finden, die Kommunen bereit seien für dieses Vorhaben abzugeben.

„Unsere Aufgabe als Landkreis ist es, das Beste für unsere Bürger herauszuholen“, sagte Landrat Frank Eger und fasste die wichtigsten Positionen des Kreises kurz zusammen. Grundsätzlich sei die Frage: Kann die Trasse so überhaupt gebaut werden? Wenn ja, müsse der größtmögliche Schutz für Natur, Mensch und Landschaft erreicht werden. Dazu gehörten ein Beweissicherungsverfahren, Kabel müssten dort „eingebuddelt“ oder die Leute zumindest vernünftig entschädigt werden, wo die Abstände zu gering seien; Realkompensationen sollten möglichst im eigenen Landkreis erfolgen und Straßennutzungsvereinbarungen getroffen werden.

Marén Bettmann
Marén Bettmann Redaktion Wardenburg