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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Entsorgung teurer geworden: Wohin mit dem Klärschlamm? Kommunen suchen neue Abnehmer

23.05.2019

Würzburg (dpa) - Monatelang lagerten 400 Tonnen Klärschlamm auf dem Gelände des Klärwerks Winterhausen bei Würzburg. Werksleiter Martin Michel wusste nicht, wohin mit der Mischung aus Feststoffen und Wasser, die bei der Abwasserreinigung zurückbleibt.

Bisher wurden mit dem Klärschlamm Tagebaugruben verfüllt. Doch ein neues Klärschlamm- und Düngerecht erschwert das seit 2017. Auch die Alternative, den Schlamm auf Äckern auszubringen, ist rechtlich kaum mehr möglich. Die Schadstoffe könnten zu hoch sein.

"Die Entsorgung ist sehr schwierig geworden", sagt Michel. Vor kurzem habe er zwar wieder einen Entsorger gefunden, aber die Preise seien explodiert. "Vor vier Jahren haben wir 60 Euro pro Tonne bezahlt, jetzt sind es 170 Euro", so Michel. Und der neue Weg ist nur eine Zwischenlösung. Derzeit lässt das Klärwerk den Schlamm in einem Zementwerk, in Kohlekraftwerken und teils in einem Müllheizkraftwerk mitverbrennen. Doch bald wird vermutlich auch damit Schluss sein.

Denn bald müssen Klärwerke den raren Rohstoff Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewinnen. Klärwerke in einem Einzugsgebiet über 50.000 Einwohner - wie das in Winterhausen - ab 2032, größere schon ab 2029. Nur kleinere sind befreit. Doch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Einfacher ist die Rückgewinnung bei sogenannten Monoverbrennungsanlagen, in denen ausschließlich Klärschlamm verheizt wird. Doch davon gibt es bisher nur wenige in Deutschland. Eventuell muss der Klärschlamm also bald wieder eingelagert werden.

Im gesamten Bundesgebiet suchen Klärwerke nach Lösungen. 1,7 Millionen Tonnen des Schlamms fallen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jährlich an. Die Entsorgung beziehungsweise Verwertung auf oder im Boden hat sich innerhalb von zehn Jahren halbiert, der verbrannte Anteil ist um 20 Prozentpunkte gestiegen. Doch die Kapazitätsgrenzen für die Verbrennung sind offenbar vielerorts erreicht, sogar von "Entsorgungsnotständen" ist die Rede.

Bei einem Branchentreffen im bayerischen Würzburg haben sich jüngst etwa 550 Behördenvertreter, Ingenieure und Unternehmer ausgetauscht. Die sogenannten Klärschlammtage werden von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) veranstaltet. Angesichts der aktuellen drängenden Probleme ist diese Tagung nach DWA-Angaben zu einem größeren Branchentreffen geworden.

Auch ein Verkauf ins Ausland wird diskutiert. Darüber hat Martin Michel ebenfalls nachgedacht. Könnten Urangruben in Tschechien eine Möglichkeit sein? "Aber wir haben die Idee rasch verworfen", sagt er. Die Genehmigung sei sehr aufwendig, und das Klärwerk hätte weiter gehaftet. "Wenn sich in Tschechien die Gesetze ändern oder die Partner dort nicht sauber arbeiten, kriegen wir das Zeug eventuell wieder zurück", sagt der Werksleiter. Das war ihm zu heikel.

Was des einen Leid ist des anderen Freud: Unternehmen, die Verbrennungsanlagen und Entwässerungstechnik herstellen, erleben ein Auftragshoch. Einige bisher branchenfremde Unternehmen sehen neue Geschäftsfelder. Auf dem Branchentreffen wird von 25 geplanten neuen Monoverbrennungsanlagen gesprochen - das wäre mehr als eine Verdopplung zum aktuellen Stand. Manche Experten warnen schon vor möglichen Überkapazitäten, zumindest in einigen Regionen.

Nicht nur Verbrennungsanlagen sind gefragt: Bei der Tagung werben Dutzende Aussteller für "intelligente Klärschlammtrocknung" oder "optimale Schlammentwässerung". Möglichst viel entwässern ist für Kläranlagen wichtiger geworden. Denn Klärschlamm wird nach Tonne gezahlt. Je weniger Wasser, desto geringer das Gewicht und die Kosten. Zudem ist für die Verbrennung oft eine stärkere Trocknung nötig als bisher für die Landwirtschaft.

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Im Winterhausener Klärwerk durchwühlen den Klärschlamm "kleine Roboterschweine" - wie Leiter Michel sie nennt. Sie brechen die Oberfläche auf, damit mehr Wasserdampf entweichen kann. Für die Zukunft hofft Michel auf eine gemeinsame kommunale Lösung: Das Würzburger Müllheizkraftwerk soll eine Monoverbrennungsanlage errichten. Der zuständige Geschäftsleiter des Kraftwerks, Alexander Kutscher, ist nicht abgeneigt. Das Interesse der Kommunen sei riesig. Doch bisher produzierten Anlagenbauer vor allem für Millionenstädte. "Daher habe ich auch Erwartungen an die Anlagenbauer", sagt Kutscher.

In anderen Gemeinden ist man einen Schritt weiter und würde gerne bauen, doch die Bürger und Parteien begehren auf - aus Angst vor Schadstoffen. So zumindest im bayerischen Straubing. Wenn Europa am Sonntag wählt, stimmt Straubing per Bürgerentscheid auch über eine geplante größere Monoverbrennungsanlage ab - und damit über die Hoffnung einiger Klärwerksbetreiber.

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